Magister Zwickel und der Teufel (eine Sage aus der Wiener Vorstadt)

Es war dereinst ein Magister in Hernals, Zwickel war sein Name, der war dem Biere nur allzu zugetan, und so geschah es, dass der werte Magister sich eines Abends zu recht später Stunde auf den Abort seiner Lieblingsgastwirtschaft verfügte, um seiner wohlgefüllten Blase Erleichterung zu verschaffen. Als er da so am Pissoir stand und zufrieden über sich und sein Leben nachsann, da tat es in der benachbarten Kabine einen riesigen Bumperer, und es krachte und blitzte, und an des Magisters Nase drang ein abscheulicher Gestank nach Pech und Schwefel. Nanu, so dachte sich Magister Zwickel, ich hab gar nicht mitgekriegt, dass mein Freund, der Ingenieur Döbl, heut Abend auch da ist. Aber als die Kabinentür aufschwang, da kam gar nicht der Ingenieur Döbl heraus, sondern ein ihm gänzlich Fremder, in einen dunklen Anzug gekleidet, mit ordentlichem Scheitel und einer strengen Hornbrille. Oha, Sie, so sprach der Magister Zwickel, müssen einer dieser Literaturkritiker sein, von denen ich schon soviel gehört und gelesen habe. Zwickel, sprach darauf der Fremde, sei nicht deppert, ich bin der Teufel. Sag ich doch, antwortete Magister Zwickel und zog seinen Reißverschluss zu. Der Teufel, denn er war es wirklich, verdrehte kurz die Augen, tat einen Stoßseufzer und sagte: Zwickel, in deinem Postkastl liegt seit vierzehn Tagen die dritte Mahnung vom Beate-Uhse-Versand, reicht dir das als Beweis? Hoppla, dachte sich da der Magister, das muss fürwahr der Teufel sein!

Ich beobachte dich schon länger, sprach der Teufel, und weißt du, was mir aufgefallen ist? Ich hab nicht die geringste Ahnung, wie du mit Vornamen heißt. Das wurmt mich, und zwar so sehr, dass ich extra heraufgekommen bin, um dir anzuschaffen, ihn mir zu verraten. So ein Unfug, antwortete Magister Zwickel dem Teufel, du solltest am Allerbesten wissen, dass nicht einmal die NSA meinen Vornamen kennt. Ja, murmelte der Teufel, bei denen habe ich zuerst nachgefragt. Allesamt Dilletanten, diese Amis! Und so verlegte sich der Teufel, weil er gar so ein neugieriger Geselle war, aufs Bitten und Betteln. Zwickel, bitte sag mir deinen Vornamen. Der Magister jedoch blieb unerbittlich. Na gut, sprach der Teufel, als er merkte, dass er so nicht weiterkam, wenn ich dir drei Wünsche erfülle, wirst du mir dann deinen Vornamen sagen? Der Magister Zwickel sann kurz über den Vorschlag des Teufels nach, und antwortete schließlich: Passt, Luzi! Wenn du es schaffst mir drei Wünsche zu erfüllen, dann sage ich dir meinen Vornamen, aber du musst mir versprechen, dass du dir eine Woche Zeit lässt, bevor du ihn an die Presse weitergibst. So wurden sich der Teufel und der Magister Zwickel einig. Was also, fragte der Teufel, ist dein erster Wunsch?

Das ist einfach, antwortete Magister Zwickel, mich nerven die Blauen im österreichischen Parlament ganz gewaltig, und so wünsche ich mir, dass die dort gar nix mehr zum Sagen haben. Pfff, sprach der Teufel, dem es ein bissl auf die Nerven ging, dass er ausgerechnet gegen die Partei vorgehen sollte, zu der er die besten Kontakte hatte, aber wie gesagt: die Neugier ist ein Luder. Und so stellte er sich bei jedem FPÖ-Abgeordneten mit einem anständigen Geldköfferchen ein, das genügte, um jeden einzelnen davon zu überzeugen, sich künftig mit den Grünen auf ein Packl zu hauen. Nur den HC Strache ließ der Teufel ungeschoren, denn gegen die eigene Familie soll man bekanntlich ja nicht intrigieren.

Und was, fragte der Teufel, als er fertig war, ist dein zweiter Wunsch? Hmm, brummelte Magister Zwickel, den es ein wenig wurmte, wie einfach das mit der FPÖ gewesen war, ich wünsche mir, dass die Straßenbahnlinie 43 fürderhin nie wieder so vollgestopft ist, denn das ist echt das Letzte. Oha, dachte sich da der Teufel, das ist ein harter Brocken, und er zog sich kurz zu einer schöpferischen Pause zurück. Aber schließlich fand er auch für diesen Wunsch eine gute Lösung, und er bestellte den Magister zum Elterleinplatz. Als der erste 43er kam, sah der Zwickel schon von weitem, dass der ganz und gar völlig leer war, und staunte gar sehr. Aber als sich die Türen der Straßenbahn öffneten, verstand er, wie der Teufel das geschafft hatte, denn aus dem Waggon schallte ihm in voller Lautstärke Matthias Reim entgegen. Und das lässt sich auch nicht mehr abstellen, sagte der Teufel stolz, und jetzt würde ich gerne deinen dritten Wunsch wissen.

Hmm, brummelte Magister Zwickel, den es ein wenig wurmte, dass er jetzt künftig auch selbst nicht mehr mit dem 43er würde fahren können. Er dachte intensiv nach und verkündete schließlich: ich wünsche mir, dass ich von jetzt bis in alle Ewigkeit in der Alsbachprinzessin nie wieder etwas für mein Bier zu bezahlen habe. Haha, lachte da der Teufel, das ist meine einfachste Übung, mach dich schon einmal bereit, mir deinen Vornamen zu verraten, und er wurde umgehend bei Oberkellner Frantisek in der Alsbachprinzessin vorstellig. Dem Oberkellner Frantisek jedoch gefiel die Geschichte mit dem Freibier für den Magister Zwickel überhaupt nicht. Ich kann doch nicht, so sprach er, ohne weiteres auf fuffzig Prozent meines Umsatzes verzichten. Sieben Tage und sieben Nächte verhandelte der Teufel mit dem Oberkellner Frantisek, und er bettelte und drohte und tobte und schmeichelte ihm, wie es eben nur ein Teufel zuwege bringt. Aber das nutzte dem Teufel gar nichts, der Oberkellner Frantisek, der sich ganz trefflich auf das Feilschen und Verhandeln mit sämtlichen Hernalser Schnorrern und Dranglern verstand, blieb hart, und der Teufel hatte das Nachsehen.

Du hast gewonnen, sagte der Teufel kleinlaut zum Magister Zwickel, gegen diesen Frantisek kann nicht einmal der Teufel etwas ausrichten. Hmm, brummelte Magister Zwickel, der schon ganz gerne bis an sein Lebensende Freibier in der Alsbachprinzessin gehabt hätte, und der gleichzeitig ein wenig Mitleid mit dem Teufel empfand. Glaub mir, Luzi, sagte er, ich kenn das Problem, und es war ein bissl unfair von mir, dir so eine schwere Aufgabe zu stellen. Zum Ausgleich bot der Magister Zwickel dem Teufel an, er würde ihm seinen Vornamen ins Ohr flüstern, im Gegenzug dürfe der Teufel selbigen aber niemals jemandem verraten. Und so geschah es. Beim Abschied rieb sich der Teufel die Schläfen, denn er hatte von der anstrengenden Woche mit dem Oberkellner Frantisek noch immer Migräne, und sagte: Na dann, servus, …. ! Pscht, sagte daraufhin Magister Zwickel, halt die Gosch’n, denn ich will das alles noch aufschreiben.

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1 Antwort

  1. Heiko sagt:

    Ein sehr schön Text. Ich habe mir diesen sogar 2 mal durchgelesen. Ich hoffe das in Zukunft weitere solcher Texte kommen. Ich finde Sie zum anregen von Ideen sehr hilfreich.

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