Interview mit einem Kōbe-Schwein

Die Ankunft des vergangene Woche aus Japan emigrierten Kobe-Schweins Haroshi am Wiener Zentralbahnhof sorgte in den österreichischen Medien für beträchtliches Aufsehen. Der Hernalser Morgenpostillon traf sich mit Haroshi im Café Landtmann zum Interview.

HMP: Herr Haroshi, wie geht es ihnen?

Haroshi: Danke der Nachfrage, eigentlich ganz gut. Ein bisschen müde vielleicht, die lange Reise, Sie wissen schon …

HMP: In den vergangenen Tagen wurde in der Öffentlichkeit lebhaft über Ihre Beweggründe, Japan zu verlassen, diskutiert. Lassen Sie mich raten: Fukushima?

Haroshi: Weit gefehlt! Wissen Sie, Erdbeben und Strahlenunfälle sind in Japan ja so alltäglich wie hierzulande Korruptionsskandale oder inkompetente Finanzminister. Da regen wir Japaner uns schon gar nicht mehr auf …

HMP: Jetzt machen Sie unsere Leser aber neugierig! Also: warum sind Sie hier?

Haroshi: Um es auf den Punkt zu bringen: die Nachbarn! Mein äußerst bescheidenes Appartement liegt ja direkt neben einem Kuhstall, und glauben Sie mir: diese hochnäsigen Kobe-Rinder hält die geduldigste Sau nicht aus! Das ist ein ständiges Rein und Raus, man kommt einfach nicht zur Ruhe. Erst der Masseur, dann der Personal-Coach, die Wellness-Crew, der Finanzberater, und die Typen mit dem Bier, das diese Rindviecher ja den ganzen Tag zu saufen bekommen. Und am Allerschlimmsten: das ständige Mozart-Gedüdel. Ohne den Österreichern zu nahe treten zu wollen, aber: dass tut doch nicht not! Nichts gegen Mozart, aber hin und wieder mal ein bisschen Abwechslung, hätte hier wahrscheinlich wahre Wunder für meinen Gemütszustand gewirkt. Spielt doch auch mal Led Zeppelin oder Lady Gaga oder wenigstens Andreas Gabalier, habe ich immer und immer wieder gequiekt, aber auf mich hört ja kein Schwein. Da sind soziale Spannungen natürlich an der Tagesordnung, und schlussendlich … nunja – Sie sehen es ja selbst!

HMP: Und warum gerade Österreich? Warum Wien?

Haroshi: Im Grunde war diese Entscheidung vollkommen willkürlich. Aber ich bereue sie nicht eine Sekunde lang. Das wirklich Fabelhafte an Wien ist die ausgesuchte Höflichkeit der Menschen hier. Gut, ich war speziell in den ersten Tagen natürlich extrem verwirrt, dass mich alle Leute mit „Grüß Gott, Herr Bürgermeister“ ansprachen, aber inzwischen habe ich mich daran gewöhnt, und es gefällt mir.

HMP: Ähm, Sie haben unseren Bürgermeister inzwischen persönlich kennengelernt?

Haroshi: Nein, dazu hatte ich leider noch keine Zeit. Der Medienrummel, Sie verstehen? Aber ich habe zwischenzeitlich ein Bild von ihm in einer Zeitung gesehen, und ich muss sagen: ein wirklich beeindruckender Mann!

HMP: Herr Haroshi, eine letzte Frage – wie geht’s jetzt weiter?

Haroshi: Ich denke, dass ich in Wien bleiben werde. Dazu hat mir jedenfalls mein Agent geraten. Ich würde die Wiener Promi-Szene um eine ganz neue, hochseriöse Facette bereichern, das waren seine Worte, und mein Terminkalender gibt ihm da recht! Und jetzt muss ich mich entschuldigen, ich habe nämlich in zwanzig Minuten einen Fototermin mit Conchita Wurst!

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