Nichtraucherschutz im Wandel der Zeit

Liebe Leser, begleiten Sie mich auf eine Zeitreise. Anbei finden Sie sämtliche Aussendungen des Betriebsrats des Hernalser Morgenpostillons zum seit Ewigkeiten schwärenden Konflikt zwischen Rauchern und Nichtrauchern, von mir gesammelt, aufbewahrt und bis zum heutigen Tage den Augen der Öffentlichkeit vorenthalten.

Oktober 1989

Liebe Postillon-Belegschaft!

Wir möchten Euch in diesem Rundschreiben über einige Arbeitsplatz- und Infrastrukturänderungen für die Raucher unter Euch informieren.

Eine von uns durchgeführte Erhebung hat ergeben, dass sich der Anteil der rauchenden Kollegen im Vergleich zum Vorjahr um 0,3 Prozentpunkte auf nunmehr nur noch 82,6% verringert hat. Um dieser besorgniserregenden Entwicklung entgegenzuhalten, hat sich die Geschäftsführung kulanterweise entschlossen, das seit dem 01.01.1972 in Kraft befindliche Verbot von Bleikristallaschenbechern mit einem Gewicht von mehr als 1,5 Kilogramm in unseren Redaktionsräumlichkeiten aufzuheben. Unsere Bedienerin Mitzi Schebasta hat sich bereit erklärt, auf Wunsch Eure vorhandenen Aschenbecher kostenlos gegen von ihr persönlich von der tschechoslowakischen Botschaft organisierte Modelle, die dem neuen Regulativ entsprechen, auszutauschen.

Jeder Kollege, der bis zum 1. Dezember von dieser Aktion Gebrauch macht, erhält eine Stange „Start“ gratis zum neuen Schmuckstück auf Eurem Schreibtisch dazu.

Mai 1995

Liebe Postillon-Belegschaft, liebe Raucher!

Aufgrund massiver Beschwerden von seiten einiger beim Hernalser Morgenpostillon angestellten Nichtraucher in der jüngsten Vergangenheit sehen sich sowohl Geschäftsführung als auch Betriebsrat zu folgender Neuregelung zum Thema „Rauchen am Arbeitsplatz“ veranlasst. Es ist künftig vorgeschrieben, einmal stündlich die Büroräumlichkeiten gründlich für die Dauer von mindestens fünf Minuten durchzulüften. In Büros, in denen das Verhältnis zwischen Rauchern und Nichtrauchern größer als 6:1 ist, und in denen auf Raucherseite mindesten 75% Zigarren- und/oder Pfeifenraucher sind, haben die Nichtraucher das Recht, bei der Geschäftsführung schriftlich eine Verkürzung der Lüftungsintervalle zu beantragen (Kopie an den Betriebsrat, die Bezirksvorstehung und das Generaldirektorium der Austria Tabak).

01.01.2000

Werte Kollegen,

Der Betriebsrat des Hernalser Morgenpostillons wünscht Euch einen guten und erfolgreichen Start ins neue Jahrtausend! Um den Herausforderungen unseres dynamischen Arbeitsalltags auch im neuen Jahr gesund und munter begegnen zu können, hat sich die Geschäftsführung nach Rücksprache mit dem Betriebsrat dazu entschlossen, ab sofort sämtliche Büroräumlichkeiten in Nichtraucherzonen umzuwandeln. Das Rauchen ist ab sofort nur noch in den entsprechend gekennzeichneten Sozialräumlichkeiten (Pausenküchen) gestattet. Diese wurden in den Weihnachtsfeiertagen generalsaniert und mit einem modernen Entlüftungssystem ausgestattet, um den Rauchern unter unseren Kollegen ein Höchstmaß an Komfort und Bequemlichkeit zu bieten. Der Betriebsrat behält sich das Recht vor, in den Büros einmal halbjährlich Kontrollgänge durchzuführen, um die Einhaltung der neuen Regelung zu gewährleisten.

Mit der Bitte um Euer Verständnis und um Eure Rücksichtnahme auf die nichtrauchenden Kollegen verbleiben wir herzlichst.

Februar 2010,

Betrifft: Rauchstopp Hernalser Morgenpostillon

Wir, der Betriebsrat des Hernalser Morgenpostillons, erlauben uns höflichst, die Raucher in unserer Belegschaft darüber zu informieren, dass die Konsumation von Tabakwaren mit Stichtag 01. März, in sämtlichen Räumlichkeiten des Bürogebäudes untersagt ist. Für unbedingt notwendige Rauchpausen wurde im Stiegenhaus eine entsprechende „Raucherzone“ eingerichtet, mit einem Gemeinschaftsascher ausgestattet und farblich entsprechend markiert. Achtung: vor Antritt jeder Rauchpause ist verpflichtend auszustempeln!

Es freut uns desweiteren bekanntzugeben, dass die Geschäftsführung im Zuge der heurigen Prämienausschüttung allen Kollegen, die zum Stichtag 01.02.2010 Nichtraucher waren, ein kleines Incentive in Form einer 14-tägigen Luxuskreuzfahrt durch die Karibik zukommen lässt. Alle anderen Kollegen erhalten ein Gratisexemplar „Endlich Nichtraucher“ von Allen Carr.

01.04.2015,

Der Betriebsrat informiert!

Die inzwischen unzumutbare Geruchsbelästigung durch die im Stiegenhaus des Hernalser Morgenpostillons rauchenden und herummarodierenden Kollegen macht es – nach Abstimmung mit der Geschäftsführung, der Bezirksvorstehung, dem Europa-Parlament und den Vereinten Nationen – unabdingbar, dass der Konsum von Zigaretten ab dem Beginn der kommenden Woche ausschließlich im Freien stattzufinden hat. Zu diesem Zweck wurde im nordöstlichen Teil des Schwarzenbergparks eine eigene Raucherbox (Außenverkleidung mit schußsicheren Plexiglasplatten, garantiert luft- und blickdicht) installiert, die verbindlich zu benutzen ist (Wichtig: rechnen Sie für die Anreise zu selbiger bitte mindestens 120 Minuten (bequemes mittleres Marschtempo) ein); den zum Öffnen der Raucherbox notwendigen 32-stelligen, alphanumerischen und sich täglich ändernden Zugangscode erhalten Sie gegen Vorlage eines amtlichen Lichtbildausweises und Abgabe einer DNS-Probe beim Portier.

Juni 2025,

An den Kollegen Zwickel,

Zwickel, wir – der Betriebsrat – wissen wo Sie sich verstecken! Nehmen Sie endlich Vernunft an, ergeben Sie sich, und kommen Sie mit erhobenen Händen und ohne Zigaretten raus. Andernfalls sind wir gezwungen, die zuständigen Behörden einzuschalten. Verdammt – erkennen Sie nicht, wie sinnlos das alles ist??

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