{"id":993,"date":"2019-04-26T09:49:03","date_gmt":"2019-04-26T07:49:03","guid":{"rendered":"http:\/\/www.alsbachprinzessin.at\/zwickel\/?p=993"},"modified":"2019-06-12T15:16:01","modified_gmt":"2019-06-12T13:16:01","slug":"ganz-egal-ob-schwarz-ob-weiss-1","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.alsbachprinzessin.at\/zwickel\/2019\/04\/26\/ganz-egal-ob-schwarz-ob-weiss-1\/","title":{"rendered":"Ganz egal, ob Schwarz, ob Wei\u00df (1)"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/www.alsbachprinzessin.at\/zwickel\/wp-content\/uploads\/val-vesa-1609445-unsplash.jpg\" data-rel=\"lightbox-image-0\" data-rl_title=\"\" data-rl_caption=\"\" title=\"\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter  wp-image-1047\" src=\"https:\/\/www.alsbachprinzessin.at\/zwickel\/wp-content\/uploads\/val-vesa-1609445-unsplash-300x200.jpg\" alt=\"\" width=\"659\" height=\"439\" srcset=\"https:\/\/www.alsbachprinzessin.at\/zwickel\/wp-content\/uploads\/val-vesa-1609445-unsplash-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.alsbachprinzessin.at\/zwickel\/wp-content\/uploads\/val-vesa-1609445-unsplash-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.alsbachprinzessin.at\/zwickel\/wp-content\/uploads\/val-vesa-1609445-unsplash-1024x683.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 659px) 100vw, 659px\" \/><\/a><\/p>\n<p><em>1. Tischtennispensionisten (die Akazienkriege)<\/em><\/p>\n<p>Der Donaupark der 80iger Jahre &#8211; ein Eldorado f\u00fcr das gelangweilte transdanubische Arbeiterkind. Stundenlang lassen Lumpi Lamprecht und ich die Frisbeescheibe zwischen uns fliegen. Wir hetzen einander in der sommerlichen Gluthitze \u00fcber die \u00f6ffentlichen Asphalttennispl\u00e4tze und schlagen uns beim Minigolf beinah die Sch\u00e4del ein. Im Schatten gewaltiger Kastanien wird stundenlang dar\u00fcber diskutiert, welche H\u00e4lfte des Twinnies nun die bessere ist (die gr\u00fcne!). Unsere M\u00fctter sind selig. In der Fr\u00fch dr\u00fccken sie uns einen Zwanziger in die Hand, Trinkflaschen werden eilig in Rucks\u00e4cke gestopft, und im Wissen, man wird uns erst wieder nach Einbruch der Dunkelheit zu Gesicht bekommen, werden wir mit z\u00e4rtlicher Gewalt bei der T\u00fcr hinausgeschoben.<\/p>\n<p>Lumpi hei\u00dft eigentlich Lambert und ist mein bester Freund. Im Gym gehen wir in dieselbe Klasse, und er wohnt nur zwei Stiegen weiter. Den Donaupark suchen wir t\u00e4glich heim, auch an den Wochenenden. Es geschieht in der zweiten Julih\u00e4lfte, dass wir auf einer unserer ausgedehnten Fahrradpatrouillen durch den Park auf die Tischtennistische sto\u00dfen. Es sind nur die Tische, ein Netz muss man selbst mitbringen. Angefixt von dem Gedanken, es diesem Arsch Gerry Weber auf der n\u00e4chsten Landschulwoche beim Ping-Pong so richtig heimzahlen zu k\u00f6nnen, gehe ich meiner Mutter so lange auf die Nerven, und drohe keinen Fu\u00df mehr vor die T\u00fcr zu setzen, bis sie mit einer Finanzspritze herausr\u00fcckt, ausreichend, um in der Sportabteilung vom Gro\u00dfkonsum an der Mitterhofergasse eine entsprechende Investition zu t\u00e4tigen.<\/p>\n<p>Grob lassen sich die Tischtennistische im Donaupark in zwei Kategorien einteilen: <em>sehr super<\/em> und <em>sehr g\u2018schissn<\/em>. Dazwischen gibt es nichts. Die super Tische sind in tadellosem Zustand, gut beschattet und windgesch\u00fctzt. Die g\u2018schissenen liegen ab neun Uhr in der prallen Sonne. Entsprechend angewittert sind sie, und abgenudelt, und beim kleinsten Windhauch kannst du den Tischtennisball in den Akazien suchen gehen. Lumpi und ich lernen schnell: die Akazie ist kein freundlicher Strauch.<\/p>\n<p>Auf der Jagd nach den super Tischen erkennen wir sehr rasch den nat\u00fcrlichen Feind: den Tischtennispensionisten. Es w\u00e4chst in uns die \u00dcberzeugung, dass dieser Menschenschlag hier irgendwo im Donaupark heimisch sein muss. V\u00f6llig egal, wann wir kommen, der Tischtennispensionist hat sich bereits alle super Tische unter den Nagel gerissen, und Lumpi und ich d\u00fcrfen in den Akazien herumturnen.<\/p>\n<p>Wir lernen das fr\u00fche Aufstehen auf die harte Tour, um auch nur so etwas \u00c4hnliches wie Chancengleichheit herzustellen. Als wir das erste Mal einen guten Tisch ergattern (den besten!), ist es halb sieben in der Fr\u00fch. Trotzdem sind wir euphorisch und spannen unser Netz auf, wie anno seinerzeit der Amerikaner die Flagge auf Iwo Jima. Es vergehen keine drei Minuten, da n\u00e4hert sich schon das erste Tischtennispensionistenrudel. \u00dcberraschung macht sich auf den wettergegerbten Gesichtern breit, als sie unserer ansichtig werden. Eine Weile schauen sie uns zu, stumm und absch\u00e4tzig &#8211; Tischtennisprofis sind wir beide nicht. Dann verziehen sie sich schulterzuckend auf einen anderen (auch ziemlich superen) Tisch, und Lumpi reckt triumphierend die Faust in die H\u00f6he: \u201eYes!\u201c Wir spielen bis die Sonne weg ist und wir den Ball nicht mehr gescheit sehen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Am n\u00e4chsten Tag sind wir wieder um halb sieben gestellt. <em>Unser<\/em> Tisch ist bereits besetzt. Alle anderen \u00fcbrigens auch. Wie es aussieht, hat sich die Nachricht \u00fcber unseren gestrigen Anschlag auf die nat\u00fcrliche Ordnung wie ein Lauffeuer in der Tischtennispensionistenszene herumgesprochen, und heute haben sich alle zusammengerottet, um es uns heimzuzahlen. Die Alten machen den Eindruck, als w\u00e4ren sie schon seit Stunden hier. Eine Tischtennispensionistin hat sogar die Frechheit uns l\u00e4chelnd zuzuwinken. Die Schmerzen, die uns der Muskelkater bereitet, den wir heute mit uns herumschleppen, sind nichts im Vergleich mit dieser Dem\u00fctigung. Sp\u00e4ter beim Minigolf, wir haben heute keine Lust auf Akazienrumgekraxel, sagt Lumpi grimmig: \u201eKann nicht sein, dass uns die Pensln so meier machen.\u201c<\/p>\n<p>N\u00e4chster Tag. F\u00fcnf Uhr. Von der Sonne sieht man noch nicht viel, als wir uns mit schlafverquollenen Augen in den Donaupark schleppen. \u201eGeh, leck\u201c, knirscht Lumpi. Auf der Parkbank neben dem besten aller super Tischtennistische sitzt schon ein Tischtennispensionist, schl\u00fcrft Kaffee aus der Thermoskanne und liest die Krone. Wir beschlie\u00dfen, ihn einfach zu ignorieren. Aber kaum, dass ich anfange das Netz festzuschrauben, da t\u00f6nt es schon: \u201eDer ist reserviert!\u201c Darauf Lumpi, definitiv der Goscherte von uns beiden: \u201eSowieso. F\u00fcr uns!\u201c<\/p>\n<p>Der nachfolgende Abtausch an Verbalinjurien ist unerfreulich. Erhitzte Wortspenden wie \u201eRotzpipp\u2018n\u201c, \u201eOhrwaschlkaktus\u201c, \u201eoida Schneebrunzer\u201c und \u201eHosenschei\u00dfer\u201c fliegen wie Tischtennisb\u00e4lle hin und her. Lumpi pfeift sich da relativ wenig. Erst als der kaffeesaufende Tischtennispensionist Verst\u00e4rkung aus der eigenen Sippe bekommt, kapituliert er. Zornig kickt er seine Adidas-Tasche ein paar Meter weit weg und verzieht sich in den n\u00e4chstbesten Schatten, wo er trotzig und g\u00e4nzlich unlustig in einem <em>Lustigen Taschenbuch<\/em> zu bl\u00e4ttern beginnt. \u201eDas ist mir sowas von wurscht\u201c, zischt er mich an, als ich ihn frage, ob wir nicht mit einem von den g\u2018schissenen Tischen Vorlieb nehmen wollen. Lumpi kann richtig stur sein.<\/p>\n<p>Aber allzu stur dann gottseidank auch wieder nicht, denn als uns eine der Tischtennispensionistinnen nach ein paar Stunden des trotzigen Br\u00fctens fragt, ob wir vielleicht auch gern ein kaltes Schnitzerl und einen selbstgemachten Erd\u00e4pfelsalat m\u00f6chten, da l\u00f6st sich die Trotzigkeit vom Lumpi ganz schnell in Luft auf. Die Schnitzel sind richtig gut und der Salat ist mit Mayo und Gurkerln abgeschmeckt, und in Lumpi steigt so eine arge Friedfertigkeit auf, dass er sich bei dem einen Tischtennispensionisten f\u00fcr den \u201ealten Schneebrunzer\u201c entschuldigt. Dem taugt das auch total, und er l\u00e4dt uns dann sogar ein, dass wir bei ihnen f\u00fcr den Rest des Tages mitspielen d\u00fcrfen, und weil das halt einfach wirklich der beste von den guten Tischtennistischen ist, sagen wir auch ja. Und dass wir zwei Ohrwaschlkaktusse beim Spielen gegen keinen einzigen der Tischtennispensionisten auch nur den Hauch einer Chance haben, soll auch nicht verschwiegen werden.<\/p>\n<p><em>(Fortsetzung folgt)<\/em><\/p>\n<p class=\"western\"><a href=\"https:\/\/www.alsbachprinzessin.at\/zwickel\/2019\/05\/03\/ganz-egal-ob-schwarz-ob-weiss-2\/\">Teil 2: Ein Hund brunzt<\/a><\/p>\n<p class=\"western\"><a href=\"https:\/\/www.alsbachprinzessin.at\/zwickel\/2019\/05\/10\/ganz-egal-ob-schwarz-ob-weiss-3\/\">Teil 3: Der Unber\u00fchrbare<\/a><\/p>\n<p class=\"western\"><a href=\"https:\/\/www.alsbachprinzessin.at\/zwickel\/2019\/05\/17\/ganz-egal-ob-schwarz-ob-weiss-4\/\">Teil 4: Ein Liebling sein<\/a><\/p>\n<p class=\"western\"><a href=\"https:\/\/www.alsbachprinzessin.at\/zwickel\/2019\/05\/24\/ganz-egal-ob-schwarz-ob-weiss-5\/\">Teil 5: Gefahr aus dem S\u00fcden<\/a><\/p>\n<p class=\"western\"><a href=\"https:\/\/www.alsbachprinzessin.at\/zwickel\/2019\/05\/29\/ganz-egal-ob-schwarz-ob-weiss-6\/\">Teil 6: Die Ehre alter M\u00e4nner<\/a><\/p>\n<p class=\"western\"><a href=\"https:\/\/www.alsbachprinzessin.at\/zwickel\/2019\/06\/10\/ganz-egal-ob-schwarz-ob-weiss-7\/\">Teil 7: Das Slibowitzgambit<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>1. 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