{"id":859,"date":"2014-09-29T07:30:16","date_gmt":"2014-09-29T05:30:16","guid":{"rendered":"http:\/\/www.alsbachprinzessin.at\/zwickel\/?p=859"},"modified":"2014-09-29T07:32:53","modified_gmt":"2014-09-29T05:32:53","slug":"zwei-wie-hund-und-katz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.alsbachprinzessin.at\/zwickel\/2014\/09\/29\/zwei-wie-hund-und-katz\/","title":{"rendered":"Zwei wie Hund und Katz"},"content":{"rendered":"<p>&#8222;Tsch\u00fcss, ihr Wappler!&#8220;, so sprach der fette Reimann, seines Zeichens Gesamtleiter Sportressort beim Hernalser Morgenpostillon, und blieb &#8211; wie \u00fcblich &#8211; in der Dreht\u00fcr stecken. Anders als sonst vermochte es dieses Hoppala diesmal jedoch nicht, ihm das Hutschpferdgrinsen aus dem Gesicht zu wischen.<!--more--><\/p>\n<p>&#8222;Da ist aber einer gut drauf&#8220;, schnappte ihm Kollegin Natalie nach. &#8222;Ja, sicher&#8220;, Reimann befreite sich m\u00fchselig, &#8222;ab jetzt k\u00f6nnts ihr H\u00fcbschen euch n\u00e4mlich gegenseitig mobben. Habe die Ehre und geht&#8217;s schei\u00dfen!&#8220;. Diese Wortwahl lie\u00df mich dann doch aufhorchen, und der Verdacht, der an dieser Stelle in mir zu keimen begann, wurde durch den zeitgleichen Auftritt des Chefredakteurs mit den Worten &#8222;Kinder, ganz kurz mal &#8211; jetzt liegt&#8217;s an Euch!&#8220; zum Bl\u00fchen gebracht. &#8222;Der Kollege Reimann&#8220;, so fuhr er fort, &#8222;steht dem Morgenpostillon ab heute nur noch bedingt, also quasi inoffiziell, oder eher beratend, oder, extra f\u00fcr Euch kleinkarierte Erbsenz\u00e4hler, gar nicht mehr zur Verf\u00fcgung&#8220;.<\/p>\n<p>&#8222;So ein Schas&#8220;, sagte Natalie, &#8222;so einen Volltrottel f\u00fcr den Sportteil find ma nie wieder&#8220;. Hier blieb der stahlgraue Blick des Chefredakteurs an mir h\u00e4ngen, und ich dachte mir nur &#8222;Oje&#8220;. Und Natalie brachte es mit der Eloquenz einer Vollblutjournalistin auch gleich auf den Punkt: &#8222;Oje&#8220;.<\/p>\n<p>Als Mann der Tat hatte ich nach lediglich zwanzig Minuten das Reimann&#8217;sche Erbe geordnet: ich w\u00fcrde k\u00fcnftig die Berichterstattung f\u00fcr die Hernalser Damencurlingmeisterschaften \u00fcbernehmen, Natalie selbst hatte ich \u00fcberredet, sich der Wuzlerturniere anzunehmen, die anderen Randsportarten delegierte ich via E-Mail an unseren slowakischen Limerickschreiber. Damit verlieh ich meiner alten Maxime Ausdruck, derzufolge ein guter Sportteil das Herzst\u00fcck jeder gro\u00dfen Zeitung ist. Mit dem abschlie\u00dfenden Segen des Chefredakteurs w\u00e4hnte ich damit die Causa &#8222;Judas Reimann&#8220; erledigt, und tats\u00e4chlich, in den n\u00e4chsten beiden Tagen lief das Sportressort wie am Schn\u00fcrchen. Dann kam der Montag.<\/p>\n<p>&#8222;Zwickel, zu mir!&#8220;, br\u00fcllte der Chefredakteur, als ich fr\u00fchmorgens um halb zw\u00f6lf die Redaktion betrat. &#8222;Beschwerden, Panik, Chaos, Wahnsinn greift um sich!&#8220;, kreischte er, kaum dass ich die T\u00fcr geschlossen hatte, &#8222;Zwickel, wie konnte das passieren?&#8220;<br \/>\n&#8222;Wie konnte WAS passieren?&#8220;, fragte ich.<br \/>\n&#8222;In der Wochenendbeilage waren keine Katzerln! Meine Mutter hat mir zwei Tag lang die H\u00f6lle hei\u00df gemacht!&#8220;<br \/>\n&#8222;Katzerln?&#8220;, maunzte ich, &#8222;welche Katzerln?&#8220;<br \/>\n&#8222;Jedes Wochenend&#8220;, tobte der Chefredakteur, &#8222;verw\u00f6hnen wir unsere Stammleserschaft mit dem &#8218;Samtpfoterl von Frau Roberta'&#8220;, und die hat diesmal gefehlt. Diese Kolumne ist DIE finanzielle Trags\u00e4ule des Morgenpostillons, verstehen Sie den Ernst der Lage?&#8220;<br \/>\n&#8222;Ist mir eigentlich wurscht, was sagt denn die Frau Roberta dazu?&#8220;<br \/>\n&#8222;Sie Depp, es gibt keine Frau Roberta, das hat doch alles immer der fette Reimann geschrieben!&#8220;<\/p>\n<p>&#8222;Oje&#8220;, dachte ich mir und f\u00fchlte mich irgendwie verkatert. Das wurde auch nicht besser, als ich kurz darauf vom Reiman eine SMS erhielt: &#8222;Miau? ;-)&#8220;. Diese Arschnase. Eine panisch von mir durchgef\u00fchrte Recherche in den Samtpfoterln der letzten paar Monate zeigte mir dann auch noch das ganze Ausma\u00df der Trag\u00f6die. Verglichen mit dem Sport hatte Reimann bei den Katzen wirklich was drauf. Ich startete einen verzweifelten Versuch beim Chefredakteur von den Katzen auf Hunde umzusatteln, denn dort w\u00fcrde ich mich als langj\u00e4hriger Mitarbeiter des Vereinsblatts der Wiener Dachshundz\u00fcchter wesentlich besser auskennen, scheiterte aber mit einem Verweis auf die Mutter des Chefredakteurs, die mit Hundsviechern so \u00fcberhaupt nichts anfangen k\u00f6nne. Den Rest des Tages verbrachte ich semikatatonisch damit, mir auf netflix vierzig, f\u00fcnfzig Folgen von Tom und Jerry reinzuziehen. Besser wurde dadurch aber leider gar nichts. &#8222;Judas arbeitet jetzt \u00fcbrigens beim Ottakringer Abendanzeiger&#8220;, informierte mich Natalie irgendwann, aber ich h\u00f6rte ihr nur mit halbem Ohr zu, mein Leben war v\u00f6llig am Arsch, am Katzenarsch.<\/p>\n<p>Aber das Universum hatte mich nicht vergessen. So erfuhr ich am Abend am Stammtisch der Alsbachprinzessin endlich, warum der Reimann tats\u00e4chlich beim Morgenpostillon gek\u00fcndigt hatte. Der Ottakringer Abendanzeiger hatte ihn ganz dreist und frech einfach abgeworben. Und warum? Er h\u00e4tte ja so ein unglaublich lexikalisches Tier-know-how, und die allw\u00f6chentliche Hundekolumne vom Abendanzeiger ist ja weit \u00fcber die Bezirksgrenzen bekannt. Die sollte der Reimann \u00fcbernehmen. Was da noch keiner gewusst hatte: au\u00dfer mit Katzen kennt sich der Reimann leider Gottes mit \u00fcberhaupt keinen Viechern aus. Dementsprechend war auch das Echo auf die letzte Hundekolumne eher subeuphorisch. Ich bin ja kein geh\u00e4ssiger Mensch, konnte mir an dieser Stelle jedoch eine SMS an den Reiman &#8222;Wuff? ;-)&#8220; nicht verkneifen. Zehn Minuten sp\u00e4ter: &#8222;Zwickel, wir m\u00fcssen reden!!&#8220;<\/p>\n<p>Wochen sp\u00e4ter \u2026<\/p>\n<p>Das Caf\u00e9 Susi in Gersthof, zwei Uhr drei\u00dfig nachts. Ich warte an der Theke, so wie jeden Donnerstag. Um keine Aufmerksamkeit zu erregen bestelle ich den vierzehnten Zirbenschnaps. mein schwarzes K\u00f6fferchen presse ich \u00e4ngstlich an mich. Jetzt nur keinen Fehler machen. Der Schnaps kommt und mit ihm setzt sich ein sehr dicker, als Indianer verkleideter Mann neben mich. L\u00e4cherlich wie immer, denke ich bei mir, und richte mir kokett den Sheriffstern meines Cowboykost\u00fcms. Der Dicke bestellt: &#8222;Bitte einen Cafe Latte mit laktosefreier Milch.&#8220; Das ist mein Stichwort.<\/p>\n<p>&#8222;It never rains in southern California&#8220;, sage ich.<br \/>\n&#8222;But in Ottakring it always rains cats and dogs at this time of year&#8220;, antwortet der Dicke.<\/p>\n<p>Der Indianer hat ebenfalls ein schwarzes K\u00f6fferchen bei sich, dem meinen nicht ganz un\u00e4hnlich. Im Bruchteil einer Sekunde wechseln die Koffer den Besitzer, der Indianer fl\u00fcchtet, der Cafe Latte geht auf mich.<\/p>\n<p>Drei\u00dfig Minuten sp\u00e4ter habe ich das Material gesichtet. Eine SMS kommt: &#8222;Miau?&#8220;. Ich antworte: &#8222;Wuff!&#8220;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Tsch\u00fcss, ihr Wappler!&#8220;, so sprach der fette Reimann, seines Zeichens Gesamtleiter Sportressort beim Hernalser Morgenpostillon, und blieb &#8211; wie \u00fcblich &#8211; in der Dreht\u00fcr stecken. 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