{"id":755,"date":"2013-12-30T13:13:50","date_gmt":"2013-12-30T11:13:50","guid":{"rendered":"http:\/\/www.alsbachprinzessin.at\/zwickel\/?p=755"},"modified":"2013-12-30T18:42:42","modified_gmt":"2013-12-30T16:42:42","slug":"subway-sandwich","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.alsbachprinzessin.at\/zwickel\/2013\/12\/30\/subway-sandwich\/","title":{"rendered":"Subway-Sandwich"},"content":{"rendered":"<p>Das alte Jahr verabschiedet sich mit einer literarischen Sensation. Lieblingskellner Frantisek durchforstete den Lagerraum der Alsbachprinzessin auf der Suche nach den Neujahrsb\u00f6llern, die ihm letzten Silvester \u00fcbrig geblieben waren, und stie\u00df dabei auf bislang unver\u00f6ffentlichte Tagebuchaufzeichnungen des Hernalser Literaturtitanen Peter Schauff-Schauffler, die dieser im Fr\u00fchling des Jahres 2012 zur Begleichung einer namhaften Rechnung in Zahlung gegeben hatte. Die Tageb\u00fccher geben einen tiefen Einblick in den grausamen Allltag des Autors auf der steten Gratwanderung zwischen Irrwitz und Scheitern. Aber lesen Sie selbst.<!--more--><\/p>\n<p><strong>Montag, recht fr\u00fch.<\/strong><\/p>\n<p>Wurde eben von meinem Verleger Blinck angerufen.<em> &#8222;Bienen auf meiner Kopfhaut&#8220;<\/em> entwickelt sich zum Kassenschlager. Zwei beinahe verkaufte Exemplare im zw\u00f6lften Bezirk und ein Exemplar, das er selbst in einem Cafehaus ausgelegt fand (es wurde dort verwendet, um das Wackeln eines Beistelltischleins zu mildern), geben &#8211; so Blinck &#8211; Anlass zur Euphorie. Ich war nach diesem Telefonat in Schwei\u00df gebadet, und dieser Schwei\u00df roch nach purem Gl\u00fcck. Werde mir zur Feier des Tages sofort ein Ei kochen.<\/p>\n<p><strong>Montag, nachmittags.<\/strong><\/p>\n<p>Bin noch immer vollgepfropft mit Gl\u00fcckshormonen. Doch Vorsicht, kein Grund, jetzt tr\u00e4ge zu werden! Eben unter der Dusche kam mir bereits eine kleine Inspiration f\u00fcr mein n\u00e4chstes Werk. Noch kann ich Idee, Inhalt, handelnde Personen nur ahnen, aber soviel ist klar: es wird ums Essen gehen!<\/p>\n<p><strong>Dienstag, abends.<\/strong><\/p>\n<p>Ein wundervoller Tag liegt hinter mir, an dem mein kreativer Geist unabl\u00e4ssig damit besch\u00e4ftigt war, f\u00fcr das neue Buch eine sensationelle Eingebung nach der anderen zu geb\u00e4ren. F\u00fcr die primitiven Verrichtungen des Alltags blieb da keine Zeit. Einzig die Zeit f\u00fcr den Weg zu meiner &#8222;\u00f6ffentlichen Schreibstube&#8220;, dem Ausflugsgasthaus &#8222;Zur Alsbachprinzessin&#8220;, konnte ich mir abringen. Und hier sinne ich nun schon \u00fcber den Titel meines neuen Buches nach. Bislang erfolglos. Werde mir wohl noch einen Absinth bestellen m\u00fcssen.<\/p>\n<p><strong>Dienstag, noch immer abends, aber wesentlich sp\u00e4ter.<\/strong><\/p>\n<p>Ach, du gr\u00fcne Fee, ich liebe Dich! Auch diesmal hast du mich nicht im Stich gelassen. Noch darf die Welt es nicht wissen, aber dieser, meiner Tagebuchkladde vertraue ich die Sensation um den Titel meines n\u00e4chsten Buches an. Und auch dem zwei Tische weiter erfolglos kreuzwortr\u00e4tsell\u00f6senden Magister Zwickel rufe ich ihn im \u00dcberschwang der Gef\u00fchle stolz zu: &#8222;Mein Penis ist k\u00fcrzer als ein Subway-Sandwich!&#8220; Ich ernte eine hochgezogene Augenbraue und ein verlegenes R\u00e4uspern, aber was wei\u00df der denn schon!<\/p>\n<p><strong>Mittwoch.<\/strong><\/p>\n<p>Recherche! Das Zauberwort des emsigen Schriftstellers. Eines ist sicher: so kreativ kann der gr\u00f6\u00dfte Geist nicht sein, als dass es nicht eines akribischen Suchens und Forschens dort drau\u00dfen im wahren Leben bedarf, um einem Werk die notwendige Authentizit\u00e4t zu verleihen. Da gibt es nichts zu diskutieren. J\u00e4mmerlich, das sind all jene, die meinen, es reiche vollends, dieser T\u00e4tigkeit ausschlie\u00dflich mit banalem Durchsurfen des Internetzes nachzukommen. L\u00e4cherlich! Aber so einer bin ich nicht, stets segle ich hart am Wind aller Realit\u00e4ten. Gleich morgen geht es los! Ha, wie geil ich mich f\u00fchle!<\/p>\n<p><strong>Donnerstag, nachts.<\/strong><\/p>\n<p>Ein schwieriger Tag, ein R\u00fcckschlag w\u00fcrde ein weniger zuversichtlicher Charakter behaupten. Doch solche Gedanken sind mir fremd. Positiv denken, in allem das Gute sehen, das ist mein sch\u00f6pferisches Credo, und so fasse ich die Ergebnisse von heute wohlgemut zusammen. Erstens: mein Penis ist tats\u00e4chlich k\u00fcrzer als ein Subway-Sandwich. Zweitens: kleinkarierter Aufruhr und lebenslanges Lokalverbot k\u00f6nnen die undankbaren Folgen sorgf\u00e4ltiger Vorort-Recherche sein. Werde diese Erkenntnis in meinen Text einarbeiten, sobald ich ihn begonnen habe. Und ich muss es an dieser Stelle leider so derb in Worte gie\u00dfen: Subway, du hast bei mir ausgeschissen!<\/p>\n<p><strong>Freitag, fr\u00fcher Nachmittag.<\/strong><\/p>\n<p>Ich schreibe diese Zeilen, w\u00e4hrend ich in der Notaufnahme des Hanusch-Krankenhauses sitze. Schwei\u00df perlt auf meiner Stirn und ich habe uns\u00e4gliche Schmerzen im Schritt. Die Schwester von der Registratur wirft mir immer wieder anz\u00fcgliche Blicke zu, w\u00e4hrend ich versuche eine Sitzposition zu finden, die mir nicht das Gef\u00fchl gibt, in einem gl\u00fchenden Kohlebecken zu sitzen. Dabei fing dieser Freitag so gut an. Gleich nach dem Aufstehen traf es mich wie der Blitz: Subway, das ist viel zu eindimensional! Nein, ich muss gr\u00f6\u00dfer denken, umfassender, globaler! Das Grundthema meines Buches gibt doch soviel mehr her! Flugs war ein Schlachtplan ausgearbeitet, wie ich meinen Erz\u00e4hlstrang in eine viel fruchtbarere Richtung lenken kann. Um die Stringenz meiner neuen Idee zu \u00fcberpr\u00fcfen musste ich zur n\u00e4chsten &#8222;Kentucky fried chicken&#8220;-Filiale. Dort angekommen orderte ich selbstbewusst einen XL-K\u00fcbel &#8222;Hot chili wings&#8220; und begab mich &#8211; klug aus den Ereignissen des gestrigen Tages geworden &#8211; auf die Toilette. In dem Moment, in dem ich meine Hose herunterlie\u00df, dachte ich noch ganz fest an die aufreibenden Recherchen zu <em>&#8222;Bienen auf meiner Kopfhaut&#8220;<\/em>, atmete tief durch und fl\u00fcsterte noch ein &#8222;Der Kunst ihre Freiheit!&#8220; ehe ich mein Gem\u00e4cht todesverachtend in den &#8222;Hot chili wings&#8220; versenkte. Ja, es war hei\u00df, sehr hei\u00df sogar. Und ja: ich werde \u00fcber einen neuen Titel meines n\u00e4chsten Buches nachdenken m\u00fcssen.<\/p>\n<p><strong>Samstag.<\/strong><\/p>\n<p>Kann mich nicht besonders gut bewegen. Verleger Blinck erkundigte sich via SMS nach den Fortschritten meiner Arbeit, aber ich strafe ihn mit eisigem Nichtantworten. Ich vermisse die Bienen.<\/p>\n<p><strong>Sonntag, sp\u00e4tabends.<\/strong><\/p>\n<p>Frantisek, seines Zeichens Kellner im Ausflugsgasthaus &#8222;Zur Alsbachprinzessin&#8220;, ist ein Monster. Weder wei\u00df er zu sch\u00e4tzen, dass ich mich, nach wie vor unter heftigem Juckschmerz im Unterleib leidend, mit kleinen Schritten in dieses Etablissement geschleppt habe, noch w\u00fcrdigt er meine Bem\u00fchungen, mit ausgiebiger Hilfe der gr\u00fcnen Fee einen neuen Titel f\u00fcr mein n\u00e4chstes Buch zu finden. &#8222;Negerant!&#8220;, br\u00fcllt er, w\u00e4hrend er in dieser Sekunde vor mir steht, &#8222;Bei mir gibt&#8217;s ka Anschreiben, du hiniger Falott!&#8220; Ja, genau. Falott sagt er. Zu mir, Peter Schauff-Schauffler, dem Mann, der weder M\u00fch noch Leid scheut, um der Welt Gro\u00dfes zu schenken! Ich wei\u00df gar nicht, was mehr weh tut: die Frantisek&#8217;sche Kleingeistigkeit oder mein geschundenes Skrotum. Da, Frantisek zieht sich zur Beratung mit diesem Magister Zwickel zur\u00fcck, auch nur ein weiterer Pseudointellektueller, der die Vorstadtgastronomie unsicher macht. Die beiden fl\u00fcstern, der Zwickel wirft begehrliche Blicke auf meine Aufzeichnungen und steckt dem Frantisek einen gr\u00f6\u00dferen Geldschein zu. So eine bodenlose Frechheit, so eine Infamie! Schon n\u00e4hert sich Frantisek mir mit den Worten &#8222;Herst, Schauffner, gib mir des Heftl und wir san schoarf!&#8220; Zwickel kichert h\u00e4misch. Aber was ist das? Schlagartig f\u00e4llt alle Panik von mir ab, wieder rettet mich die gr\u00fcne Fee aus h\u00f6chster Not, ja, der Titel f\u00fcr mein n\u00e4chstes Buch f\u00e4hrt mir ins Hirn, wie ein g\u00f6ttlicher Blitz. Zu solch Geistesleistung ist nur der wahrhaft Berufene f\u00e4hig und trotzig schreibe ich meine Eingebung noch hastig aufs Papier, ehe es meinen Pianistenfingern entrissen wird: &#8222;Fast Fut&#8220;. Ja, das wird dem Blinck auch gefallen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das alte Jahr verabschiedet sich mit einer literarischen Sensation. Lieblingskellner Frantisek durchforstete den Lagerraum der Alsbachprinzessin auf der Suche nach den Neujahrsb\u00f6llern, die ihm letzten Silvester \u00fcbrig geblieben waren, und stie\u00df dabei auf bislang&#46;&#46;&#46;<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-755","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.alsbachprinzessin.at\/zwickel\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/755","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.alsbachprinzessin.at\/zwickel\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.alsbachprinzessin.at\/zwickel\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.alsbachprinzessin.at\/zwickel\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.alsbachprinzessin.at\/zwickel\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=755"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.alsbachprinzessin.at\/zwickel\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/755\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":764,"href":"https:\/\/www.alsbachprinzessin.at\/zwickel\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/755\/revisions\/764"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.alsbachprinzessin.at\/zwickel\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=755"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.alsbachprinzessin.at\/zwickel\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=755"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.alsbachprinzessin.at\/zwickel\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=755"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}