{"id":741,"date":"2013-12-06T16:08:31","date_gmt":"2013-12-06T14:08:31","guid":{"rendered":"http:\/\/www.alsbachprinzessin.at\/zwickel\/?p=741"},"modified":"2013-12-06T16:08:44","modified_gmt":"2013-12-06T14:08:44","slug":"peppi-schmalz-der-marathonmann-x-mas-ed","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.alsbachprinzessin.at\/zwickel\/2013\/12\/06\/peppi-schmalz-der-marathonmann-x-mas-ed\/","title":{"rendered":"Peppi Schmalz: Der Marathonmann (x-mas Ed.)"},"content":{"rendered":"<p>&#8222;Magista, es warat wieda amoi Zeit fiar wos Cooles!&#8220;, n\u00f6rgelte Peppi Schmalz, und ich witterte Gefahr. Wir sa\u00dfen beide am Stammtisch der Alsbachprinzessin, denn Lieblingskellner Frantisek war heute mildt\u00e4tig gestimmt, und verbannte den Peppi nicht wie \u00fcblich in die geruchs- und grunzlautneutrale Dranglerzone hinten links, gleich zwischen Wurlitzer und Gastherme.<!--more--><\/p>\n<p>&#8222;Apropos cool!&#8220;, rief ich Richtung Schank und signalisierte dem Frantisek die Mutter aller Gesten, auf die hin er mir spornstreichs das n\u00e4chste Kr\u00fcgerl zapfte. Aber Peppi lie\u00df nicht locker.<\/p>\n<p>&#8222;In der Zeidung, mit der i mi heit Nocht zuadeckt hob, is gschdaund&#8217;n, dass miar do in Wean zwarazwanz&#8217;g Christkindlm\u00e4rkte haum.&#8220;<\/p>\n<p>&#8222;Wahnsinn&#8220;, sagte ich, Perplexit\u00e4t simulierend.<\/p>\n<p>&#8222;G\u00f6, ned amoi an in jed&#8217;n Bezirk!&#8220;, Peppi schenkte sich aus der am Tisch stehenden handlichen 1,7-Liter J\u00e4germeisterflasche ein weiteres Achterl ein, &#8222;Des is a Frechheit!. Des is a Oarschpartie, waunsd mi frogst!&#8220; Ja, weltbewegende Themen wie dieses sind es, die die Emotionen im Peppi hochkochen lassen. Und tats\u00e4chlich, schon sprang er auf. Ich hasse das.<\/p>\n<p>&#8222;Wos de Sch\u00fcla kennan, des kennan miar scho laung&#8220;, schrie Peppi, packte mich am \u00c4rmel und zerrte mich hinaus in die Schweinek\u00e4lte.<\/p>\n<p>&#8222;Peppi, lass mich&#8220;, winselte ich, &#8222;ich muss doch noch den Nachruf auf den Mandela &#8230;&#8220;<\/p>\n<p>&#8222;Schleich di Magista, der is muarg&#8217;n a no tot!&#8220;, ma\u00dfregelte mich Peppi.<\/p>\n<p>&#8222;Weiche, Satan!&#8220;, kreischte ich.<\/p>\n<p>&#8222;Nix do. Pass auf, so is da Plan: aus Protest gegen die Christkindlmoarktlosigkeit vau sov\u00fcle Wiena Gemeindebezirke, moch&#8217;n miar zwa Fesch&#8217;n heit an Christkindlmoarktmarathon. Olle zwarazwanz&#8217;g Christkindlm\u00e4rkte aun an Obn&#8217;d!&#8220;<\/p>\n<p>&#8222;Ich glaub, mir wird gerade schlecht!&#8220;<\/p>\n<p>&#8222;So a Bledsinn! Wo samma? Hernois? Super, do faung ma glei im T\u00fcrkenschanzpark au!&#8220;<\/p>\n<p>Und los ging es, und zwar richtig. Man sieht es diesem Teilzeitobdachlosen ja nicht an, aber wenn er sich mal etwas einbildet, entwickelt der Peppi Schmalz eine Energie, mit der man die gesamte westliche Hemisph\u00e4re ein Jahr lang beheizen k\u00f6nnte. Immerhin trotzte ich ihm auf dem Weg zum Adventmarkt im T\u00fcrkenschanzpark noch das Zugest\u00e4ndnis ab, pro Weihnachtsmarkt nur EINEN EINZIGEN Punsch zu konsumieren. Das m\u00fcsse reichen, so meine Argumentation, um unserem Anliegen ausreichend Geh\u00f6r zu verschaffen. Und wie das reichte.<\/p>\n<p>T\u00fcrkenschanzpark &#8211; Franz-Jonas-Platz &#8211; Sch\u00f6nbrunn &#8211; Meidlinger Hauptstra\u00dfe &#8211; Fu\u00dfg\u00e4ngerzone Favoriten &#8211; Quellenstra\u00dfe &#8211; Columbusplatz. So arbeiteten wir uns, zwar nicht gerade systematisch, aber doch irgendwie vor. Und es war am Columbusplatz, als ich mich von Peppi erstmals mitreissen lie\u00df, vor einem t\u00fcrkischen Lebkuchenstandl das Fliegerlied anzustimmen.<\/p>\n<p>&#8222;Meine Herren&#8220;, lie\u00df sich da ein \u00fcberraschend geschwind aufgetauchtes Mitglied der Wiener Exekutive vernehmen, &#8222;hamma leicht was getrunken?&#8220;<br \/>\n&#8222;Es wird scho glei dumper!&#8220;, nuschelte Peppi und grinste auf eine Art, die er wohl f\u00fcr entwaffnend hielt.<\/p>\n<p>&#8222;Und i fliag, fliag, fliag, &#8230;&#8220;, kam ich ihm eloquent zu Hilfe, und wedelte ein bisserl mit den Armen herum.<\/p>\n<p>Der Polizist seufzte. &#8222;Schleicht&#8217;s Euch von da, i hab in zehn Minuten Dienstschluss!&#8220;<\/p>\n<p>Da halfen der Peppi und ich doch gerne. Altes AKH (Last Christmas) &#8211; Spittelberg (Do they know it&#8217;s christmas time?) &#8211; Naschmarkt (Hell&#8217;s bells, Helter Skelter): dies waren die n\u00e4chsten Stationen unserer Tournee. Der Adventmarkt am Naschmarkt ist besonders gem\u00fctlich, was unversehens dazu f\u00fchrte, dass ich kurzerhand auf mein Recht nur EINEN EINZIGEN Punsch trinken zu d\u00fcrfen verzichtete, und ihm stattdessen und zeitnah noch ein paar Br\u00fcderchen hinterdreinschickte.<\/p>\n<p>Mariahilfer Stra\u00dfe &#8211; Schottenfeldgasse &#8211; Karlsplatz &#8211; inzwischen waren uns endg\u00fcltig die Weihnachtslieder ausgegangen &#8211; Schloss Belvedere &#8211; Landstra\u00dfer Hauptstra\u00dfe &#8211; Palais Harrach (wie zum Teufel sind wir dorthin gekommen?) &#8211; Stephansplatz &#8211; Mahlerstra\u00dfe. Hier angekommen, drohte mir, dass ich die Gewalt \u00fcber meine prallvoll gef\u00fcllte Blase verlor. Aber Peppi wusste nat\u00fcrlich auch hier Rat.<\/p>\n<p>&#8222;Do schau, Magista, do glei hinter dem Christbamtandler, do gangat&#8217;s!&#8220;<\/p>\n<p>Und es ging tats\u00e4chlich, wie ich, mich erleichternd, feststellen durfte, w\u00e4hrend ich gl\u00fccklich den Donauwalzer vor mich hinpfiff und den frischen harzigen Duft der mich umgebenden Flora genoss.<\/p>\n<p>Maria-Theresien-Platz &#8211; Am Hof &#8211; Freyung.<\/p>\n<p>&#8222;Glei haumas g&#8217;schofft, Magista&#8220;, lallte mir Peppi freudestrahlend ins Ohr, &#8222;Hoppauf! Finale Grande vuarm Rodhaus!&#8220;<\/p>\n<p>Wir schafften es tats\u00e4chlich. Drei\u00dfig Sekunden bevor die letzte Punschh\u00fctte dichtmachen wollte, platzierte Peppi noch siegessicher ein &#8222;Zwa Long Island kriag ma no! Owa zackig!&#8220;<\/p>\n<p>&#8222;\u00d6ha&#8220;, vernahmen wir da eine Stimme hinter uns, &#8222;da w\u00fcrd ich mich doch glatt noch anschlie\u00dfen.&#8220; Die Punschstandlbesitzerin, die eben noch dreingeschaut hatte, als w\u00fcrd sie dem Kollegen Schmalz eine schmieren wollen, bekam einen ehrf\u00fcrchtigen Blick.<\/p>\n<p>&#8222;Na f\u00fcr den Herrn B\u00fcrgermeister mach i doch gern noch a halbes \u00dcberst\u00fcnderl. Hihi!&#8220;, und schon standen drei pr\u00e4chtige Weihnachtspunsche vor uns. Wir prosteten einander zu.<\/p>\n<p>&#8222;Du Michl&#8220;, begann Peppi Schmalz, und trotz meines definitiv nur m\u00e4\u00dfig taufrischen Zustandes zog es mir schon mal die Arschbacken zusammen, ob des Irrsinns der da jetzt wohl noch folgen w\u00fcrde.<\/p>\n<p>&#8222;Du Michl, miar find&#8217;n des totaaal fiarn Oarsch, dass bei uns do in Wean ned amoi jeda Besssirk sein eiganan Grisgindlmoagd hod!&#8220;, schwadronierte Peppi, und ich versuchte mich als Ganzer in meinem Punschh\u00e4ferl zu verstecken.<\/p>\n<p>&#8222;Hm. Interessant, dass Sie das erw\u00e4hnen&#8220;, nachdenklich nippte unser lieber Herr B\u00fcrgermeister an seinem Hei\u00dfgetr\u00e4nk, &#8222;mir geht das n\u00e4mlich auch schon etliche Jahr&#8216; ziemlich auf die Eier!&#8220; Ich verschluckte mich und bekam einen Hustenanfall.<\/p>\n<p>&#8222;Wisst&#8217;s was meine Herren&#8220;, der B\u00fcrgermeister richtete sich den roten Schal, &#8222;die Frau Claudia im Caf\u00e9 Bendl macht einen ganz ausgezeichneten Gl\u00fchwein aus&#8217;m Burgenland. Besprech ma die Causa doch dort in aller Ruhe weiter!&#8220;<\/p>\n<p>Hallelujah.<\/p>\n<p>\u3000<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Magista, es warat wieda amoi Zeit fiar wos Cooles!&#8220;, n\u00f6rgelte Peppi Schmalz, und ich witterte Gefahr. 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