{"id":724,"date":"2013-12-04T21:59:56","date_gmt":"2013-12-04T19:59:56","guid":{"rendered":"http:\/\/www.alsbachprinzessin.at\/zwickel\/?p=724"},"modified":"2013-12-05T10:10:27","modified_gmt":"2013-12-05T08:10:27","slug":"ing-meidl-eine-stigmatisierung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.alsbachprinzessin.at\/zwickel\/2013\/12\/04\/ing-meidl-eine-stigmatisierung\/","title":{"rendered":"Ing. Meidl: Eine Stigmatisierung"},"content":{"rendered":"<p>Ingenieur Meidl hat alles versucht, aber er bekommt das mit dem Rauchen einfach seit Jahren nicht in den Griff. Seine Ehe ist schon jetzt zum Scheitern verurteilt. Nachbarn schneiden ihn, gr\u00fc\u00dfen ihn nicht mehr. Einladungen von Freunden und Bekannten werden immer seltener ausgesprochen. Die f\u00fcnfzehnj\u00e4hrige Tochter h\u00e4lt ihn f\u00fcr einen Waschlappen, dessen schwacher Charakter ihres Erzeugers nicht w\u00fcrdig ist. In der Firma muss er immer \u00f6fter alleine auf Pause gehen. Man m\u00f6chte gemeinhin mit diesem Menschen nichts mehr zu tun haben, ja einfach nicht mehr an diesem uncoolen Typen anstreifen. Die ganze Situation macht klar, dass S\u00fcchte Leben zerst\u00f6ren k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Ing. Meidl ist seit Jahren ge\u00e4chteter Nichtraucher. Lange konnte er die Fassade des gl\u00fccklichen Rauchers aufrecht erhalten, rieb seine Kleidung mit Asche ein, hatte immer ein halbvolles Packerl in seiner Brusttasche, setzte sich nach Feierabend stundenlang in den gesteckt vollen Raucherbereich seines Lieblingscaf\u00e9s, nur um den Odeur der gl\u00fccklichen Menschen eindringlich in sich aufzusaugen. Bis ihn seine Gattin eines Tages dabei erwischte, wie er sich die Fingerkuppen gelb f\u00e4rbte. Da brach seine heile Welt zusammen \u2013 es ging abw\u00e4rts.<\/p>\n<p>Seine Frau setzte ihm den Aschenbecher an: \u201eAlfons, nimm dir ein Beispiel an unserer Tochter. Die raucht seit ihrem 13. Lebensjahr. Was machst du, du knieweicher Volldodel? Nichtrauchen. Pffff. Entweder du \u00e4nderst jetzt schleunigst was, oder wir sind geschiedene Leute. Ich halte das nicht mehr aus!\u201c Oder: \u201eWenn du jetzt heimlich vor die T\u00fcr gehst und schon wieder keine rauchst, dann kannst du heute auf der Couch schlafen!\u201c<\/p>\n<p>Mehrere Gruppensitzungen bei den \u201eAnonymen Nichtrauchern\u201c haben nichts gebracht \u2013 au\u00dfer der Erkenntnis, mit seinem schwerwiegenden Problem nicht alleine auf weiter Flur zu sein. Die gesellschaftliche Stigmatisierung nahm ihren Lauf. Dabei m\u00f6chte Ing. Meidl im Grunde einfach nur ein gl\u00fcckliches Raucherleben f\u00fchren, so wie alle anderen um ihn herum auch. Aber dieser eine zwingende Moment, der ihn zur Zigarette greifen l\u00e4sst, kommt nicht. Da kann er sich anstrengen, so viel er will. Er heult sich jeden Abend durch sein Kopfkissen, nimmt neidisch den himmlischen Tabakatem seiner Frau neben sich wahr. Der Anblick von im ganzen Haus verteilten Aschenbechern gibt ihm regelm\u00e4\u00dfig einen Stich in der Herzgegend. Die Angst, gesund sterben zu m\u00fcssen, macht ihn schier wahnsinnig.<\/p>\n<p>Morgen. Vielleicht schafft er es morgen. Vielleicht kann er morgen endlich eine rauchen. Denn wenn der erste Schritt einmal getan ist, wird alles besser. Dann segelt er in eine bessere Zukunft. In eine Zukunft voller Qualm, voll der M\u00f6glichkeiten und der sozialen Anerkennung. Das haben schlie\u00dflich schon d\u00fcmmere Menschen als er geschafft \u2026 w\u00e4re doch gelacht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ingenieur Meidl hat alles versucht, aber er bekommt das mit dem Rauchen einfach seit Jahren nicht in den Griff. Seine Ehe ist schon jetzt zum Scheitern verurteilt. 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