{"id":581,"date":"2013-11-03T09:49:12","date_gmt":"2013-11-03T07:49:12","guid":{"rendered":"http:\/\/www.alsbachprinzessin.at\/zwickel\/?p=581"},"modified":"2013-11-05T00:09:41","modified_gmt":"2013-11-04T22:09:41","slug":"ueberlebensstrategien-i","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.alsbachprinzessin.at\/zwickel\/2013\/11\/03\/ueberlebensstrategien-i\/","title":{"rendered":"\u00dcberlebensstrategien (I)"},"content":{"rendered":"<p>Die U5 kommt angeblich 2020. Bis dahin sind wir 43-er Fahrg\u00e4ste Teil einer nat\u00fcrlichen Selektion. Denn nur die harten kommen durch.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Der t\u00e4gliche \u00dcberlebenskampf in dieser zu jeder Tages- und Nachtzeit hoffnungslos \u00fcberf\u00fcllten Bimlinie hat Menschen schon zu Abenteuerromanen, Motivationsseminaren und Survival-Trainings in Kamtschatka inspiriert. Ger\u00fcchten zufolge hat man bei der Fremdenlegion beste Chancen auf Aufnahme, so man langj\u00e4hrige 43-er Erfahrung nachweisen kann. Ein entsprechender Vermerk im Lebenslauf soll bei Bewerbungsgespr\u00e4chen Pluspunkte bringen (Bewerber ist \u201eehrgeizig\u201c, \u201ezielstrebig\u201c, \u201eleidensf\u00e4hig\u201c, \u201ehat Durchsetzungsverm\u00f6gen\u201c).<\/p>\n<p>An einem ganz normalen Werktag wirkt alleine die Hoffnung, einen Stehplatz zu ergattern, wie purer Hohn. H\u00f6hnisch (man kann das freche Grinsen der Fahrer beobachten) rattern stadtausw\u00e4rts drei bis vier komplett leere Garnituren vorbei, w\u00e4hrend am Elterleinplatz im gleichen Zeitraum eine bis Oberkante Dachkante vollgestopfte Garnitur in die Station einf\u00e4hrt. Erwischt man eine halbwegs leere, wird man bei der U6-Station \u201eAlser Stra\u00dfe\u201c mit den freundlichen Worten \u201eBitte alle aussteigen, Zug f\u00e4hrt Zimmermannplatz\u201c entlassen. Die Bim dreht um und klingelt sich, v\u00f6llig leer, fr\u00f6hlich Richtung Neuwaldegg zur\u00fcck, von den Menschentrauben auf der Gegenseite neidisch und voller Hass be\u00e4ugt.<\/p>\n<p>Jahreskartenbesitzer Josef K., nach den letzten Pr\u00fcgeleien um einen Sitz- oder Stehplatz am Schottentor kl\u00fcger geworden, hat findige Strategien entwickelt, um eine Fahrt im 43-er doch noch halbwegs ertr\u00e4glich zu machen. Wir stellen einige im Folgenden vor:<\/p>\n<ol>\n<li>Man kaufe sich zwei Kr\u00fccken beim \u201eBst\u00e4ndig\u201c und versuche sein Gl\u00fcck. Im letzten Moment schiebe man eine der Kr\u00fccken zwischen die bereits sich schlie\u00dfende T\u00fcre und wuchte seine zertr\u00fcmmerten Knochen mit einem \u201eGestatten?\u201c zwischen die Menschenmenge. F\u00fcr das \u201eLiebe Fahrg\u00e4ste, bitte machen Sie den T\u00fcrbereich frei, Sie verhindern die Abfahrt\u201c entschuldige man sich h\u00f6flich bei seinen Leidensgenossen (\u201eTschuidigung, das wollt ich nicht, ich kann halt einfach nicht so schnell\u201c). Wird einem dann ein Sitzplatz angeboten (Erfolgsrate: 2 von 10), antworte man mit leidvollem Blick: \u201eAch, nein Danke, wird schon gehen. Ich fahr eh nur bis zur Endstation\u201c. R\u00e4umt dann doch jemand seinen Sitzplatz, weil er nicht nur von den anderen Fahrg\u00e4sten, sondern auch vom schlechten Gewissen schier erdr\u00fcckt wird, nehme man das freundliche Angebot mit einem \u201eGott segne Sie!\u201c an, starre den Rest der Fahrt mit verkl\u00e4rtem Gesicht (ein Hauch von \u201eDas Leben meint es\u00a0b\u00f6s mit mir, aber zum Gl\u00fcck gibt es noch anst\u00e4ndige Menschen\u201c) aus dem Fenster und freue sich seines Lebens. Das sardonische L\u00e4cheln sollte man sich nur denken.<\/li>\n<li>Sperrige Dinge auf den R\u00fccken schnallen\/mitnehmen: Cello, Fakirnagelbrett, Harfe, Matratze, Ikea-Regal, 52\u201c-Plasma-TV, Sauerstoffflaschen, Gep\u00e4ck f\u00fcr einen mehrw\u00f6chigen Urlaub. Sorgt in Nullkommanichts f\u00fcr mehr Bewegungsspielraum.<\/li>\n<li>Eine vorget\u00e4uschte Schwangerschaft im achten Monat. (Entf\u00e4llt f\u00fcr m\u00e4nnliche Jahreskartenbesitzer.)<\/li>\n<li>Ist das Kind dann da, pfl\u00fcgt man sich den Weg mit einem Kinderwagen frei (am besten entscheidet man sich f\u00fcr einen dieser Doppelsitzer f\u00fcr Zwillinge). Tipp auch hier: Im letzten Moment einsteigen, wenn der Zug schon abfahrbereit ist und die Positionen der anderen Fahrg\u00e4ste bezogen sind.<\/li>\n<li>Blindenschleife, Blindenstock und Blindenhund. Der Klassiker. Mit dem Blindenstock r\u00fchrt man einmal kr\u00e4ftig um und wartet auf den fast schon sicheren Sitzplatz. Sch\u00f6nheitsfehler: in 7 von 10 F\u00e4llen wird dem Blindenhund der Sitz freigemacht. Die Wiener lieben halt ihre K\u00f6ter.<\/li>\n<li>Verkleidet als Maria Vassilakou mit Fahrrad. Selbsterkl\u00e4rend. In der Doppelconference geht einer als B\u00fcrgermeister. Sch\u00f6nheitsfehler: Selbsterkl\u00e4rend, aber vorteilhaft raumgreifend.<\/li>\n<li>Raumgewinn durch den K\u00f6rpergeruch-Trick: Eine Woche nicht duschen und am besten mit Schnapsfahne und Kater vom Vortag die Bim entern. Sch\u00f6nheitsfehler: Schon zu vielen Menschen bekannt. Speziell im Sommer eine gern praktizierte Perfidit\u00e4t.<\/li>\n<li>Spiderman-Kurs auf der VHS Ottakring machen und einfach gem\u00fctlich an der Decke h\u00e4ngen. Sch\u00f6nheitsfehler: Es gibt keinen Spiderman-Kurs auf der VHS Ottakring.<\/li>\n<li>Bowlingkugel: So weit wie m\u00f6glich ausholen und schauen, wie viele stehenbleiben.<\/li>\n<li>Eigenen Sitzplatz immer mitf\u00fchren. Ohrenbacksensessel, Ecksofas\u00a0und barocke Chaiselongues haben sich in der Praxis bew\u00e4hrt. Langj\u00e4hrige Mitarbeit bei einer Klavierspedition von Vorteil.<\/li>\n<li>Wieder aufs Auto umsteigen. Sch\u00f6nheitsfehler: politisch nicht korrekt.<\/li>\n<\/ol>\n<p>Na dann. Frohes Gelingen. N\u00e4chster Halt: Platzangst.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die U5 kommt angeblich 2020. Bis dahin sind wir 43-er Fahrg\u00e4ste Teil einer nat\u00fcrlichen Selektion. 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