{"id":374,"date":"2013-10-13T13:50:51","date_gmt":"2013-10-13T11:50:51","guid":{"rendered":"http:\/\/www.oebwsv.at\/zwickel\/?p=374"},"modified":"2013-10-25T01:55:29","modified_gmt":"2013-10-24T23:55:29","slug":"tszatzikisirtakisouvlakiouzoelegisches","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.alsbachprinzessin.at\/zwickel\/2013\/10\/13\/tszatzikisirtakisouvlakiouzoelegisches\/","title":{"rendered":"Tszatzikisirtakisouvlakiouzoelegisches"},"content":{"rendered":"<p>Dramatische Kunde meines Freundes und Griechenlandurlaubers Ing. D\u00f6bl erreichte mich dieser Tage:<\/p>\n<p><em>Alykanas, 7. Oktober im Jahre des Herrn 2013<\/em><\/p>\n<p>Sehr verehrter Magister, ich schreibe diese wohl letzten Zeilen im fahlen Schein der einzig mir verbliebenen Kerze, die bereits zu einem Stumpf heruntergebrannt ist, w\u00e4hrend aus meinem kleinen mechanischen Koffergrammophon \u201eEn quittant une ville\u201c von Charles Trenet dudelt. Ein immer wieder mit der Zunge befeuchtetes, abgebranntes Streichholz und ein abgel\u00f6stes Bieretikett dienen mir als Schreibmittel. Drau\u00dfen rollt der griechische Winter \u00fcber die nebelverhangenen Gebirgsz\u00fcge, das Wasser vor meinem Hotelzimmer im zweiten Stock steht meterhoch.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Vermutlich bin ich l\u00e4ngst in der griechischen Pampa verendet, so Ihnen diese meine letzte Depesche aus der Ferne zugemittelt wird. Ich m\u00f6chte aber doch daran zweifeln, dass Ihnen mein Bericht zur Kenntnis gelangt. Die Kommunikationswege arbeiten aufgrund des monsunartigen Dauerregens hier auf Zakynthos nicht mehr zuverl\u00e4ssig. Alle Drahtverbindungen sind ausgefallen. Das Hotelpersonal ist l\u00e4ngst \u00fcber all die verschneiten Berge und hat seine Sch\u00e4fchen r\u00fccksichtslos im Stich gelassen. Strom und Wasser: Fehlanzeige. Die mit dem Kajak erreichbaren Briefk\u00e4sten werden nicht mehr geleert. Ihre genaue Anschrift kenne ich nicht, daher ist es mehr als unwahrscheinlich, dass diese unadressierte Flaschenpost, \u00fcber die Klippen hinter meinem Hotel in die unruhig w\u00fctende See geworfen, ihr Ziel erreicht. Den Kurierreiter habe ich tagelang nicht mehr gesehen. Das mag am dichten Nebel liegen, vielleicht ist er aber schlicht ersoffen, oder wurde von den vielen hier herumstreunenden Hunden \u2013 augenscheinlich grauenvolle Hybride aus Werw\u00f6lfen, Griechen und Bernhardinern \u2013 in Fetzen gerissen.<\/p>\n<p>Magister, nach nunmehr f\u00fcnf Tagen \u201eUrlaub\u201c auf Zakynthos, dieser Insel des Teufels, habe ich mit meinem nichtsw\u00fcrdigen Dasein abgeschlossen. Ich m\u00f6chte keine Wehmut in dies mein Gewort legen, hat sich doch meine von Geburt an feststehende Bestimmung auf wundersamste Art und Weise erf\u00fcllt: Mir war immer klar, dass ich in der Fremde sterben w\u00fcrde. Dass dieses Schicksal mit seinen willf\u00e4hrigen Unbilden unvermittelt im Griechenlandurlaub \u00fcber mich hereinbrechen w\u00fcrde, konnte ich freilich nicht ahnen, als ich frohgemut und voll Lachlustigkeit vor einer Woche in das Flugzeug in Wien stieg.<\/p>\n<p>Bereits am ersten Abend meines Aufenthalts wurden mir die Wassergr\u00e4ben links und rechts der Hauptstra\u00dfe in Alykanas zum Verh\u00e4ngnis. Beim Versuch, gegen 02:56 am Heimweg von \u201eBuster\u2019s Bar\u201c die vierte Nebukadnezar-Flasche Ouzo mit meinem iPhone zu entkorken, verlor ich das Gleichgewicht, rasselte f\u00fcnf Meter tief durch dorniges Gestr\u00fcpp und verletzte das linke Sprunggelenk. Unter unmenschlicher Anstrengung robbte ich auf meinen Eckz\u00e4hnen zur\u00fcck ins Hotel, wo ich am n\u00e4chsten Morgen um medizinische Hilfe ansuchte. Statt eines richtigen Arztes wurde mir eine 102-j\u00e4hrige Kr\u00e4uterhexe aus Alykes beigestellt, die alles dem \u201eb\u00f6sen Blick\u201c zuschrieb. Denn nur dieser k\u00f6nne Schuld an meiner Misere haben. Meine Ungl\u00e4ubigkeit und meine Weigerung, der Hexe einen blauen Glasstein als Schutz gegen diesen \u201eb\u00f6sen Blick\u201c um wohlfeile 350 Euro abzukaufen, verbesserte meine Lage nicht wirklich. Sie verabschiedete sich mit der Prophezeiung, dass so ein Geizhals wie ich diese Insel nie wieder lebend verlassen w\u00fcrde. Ansonsten sei aber alles halb so wild: Der Kn\u00f6chel w\u00e4re lediglich verstaucht.<\/p>\n<p>Gl\u00fccklicherweise verschlechterte sich das Wetter an diesem Tage rapide, ansonst mir meine Immobilit\u00e4t nat\u00fcrlich nicht zupass gekommen w\u00e4re. So jedoch leckte ich meine Wunden und lauschte dem aufbrandenden und bis jetzt anhaltenden griechischen Sch\u00fcttregen \u2013 verdammt zum dolce far niente in einem Hotelzimmer, das seit Tagen kein Reinigungspersonal mehr gesehen hatte.<\/p>\n<p>Seitdem liege ich also nur so da und humple ab und an auf den Balkon, um Lichtzeichen mit irgendeinem Engl\u00e4nder auszutauschen, der am Berghang vis-\u00e0-vis ein ebenso einsames Hotel bewohnt. Wir verstanden uns auf Anhieb \u2013 \u201eBuster\u2019s Bar?\u201c und \u201eTrenches?\u201c gen\u00fcgten als erster Wortwechsel und Anbeginn einer wunderbaren Ferienbekanntschaft. Er hat sich einige Wirbel gebrochen, ist von der H\u00fcfte an abw\u00e4rts gel\u00e4hmt, hofft aber immer noch auf Besserung seines Zustandes. Schlie\u00dflich habe er um gutes Geld einen blauen Wunderstein gekauft.<\/p>\n<p>Hinunter kann ich nicht mehr: Aus Angst vor Raub\u00fcberf\u00e4llen der \u00fcberall am Hotelgel\u00e4nde herrenlos herumstreunenden, ausgehungerten und mehr als aggressiven Babykatzen. In meiner Hilflosigkeit k\u00f6nnte ich mich ihrer Rauflust nicht mehr erwehren. Ich ern\u00e4hre mich von den letzten Resten griechischer Haselnusskekse. Manchmal gelingt es mir, einen der apathischen Singv\u00f6gel in der Palme vor meinem Balkon zu fangen. Das gibt dann f\u00fcr ein paar Stunden aus. Wasser fange ich vom Himmel mit meinen Crocs.<\/p>\n<p>Mein einziger Lichtblick scheint im Moment der Gedanke an Jana, meine Reiseleiterin \u2013 Tschechin mit akzentfreiem Deutsch, scharf wie Katzenschiss, lange blonde Haare bis zu einem Hintern, der mir in fiebrigen N\u00e4chten wilde Tr\u00e4ume bereitet. Ich habe sie zwar seit dem Empfang am Flughafen nicht mehr gesehen, hoffe aber dennoch immer noch linde auf Entsatz. Vielleicht hat wenigstens sie mich nicht vergessen?<\/p>\n<p>Magister, sollten wir uns nicht wiedersehen, hier ein paar letzte Anweisungen f\u00fcr die Zeit nach meinem Tode: Auf meinem Begr\u00e4bnis (sofern meine sterblichen \u00dcberreste jemals \u00fcberstellt werden) spiele man ein Wienerlied, nur ja keinen Sirtaki. Sirtakis sind ohnehin nur die griechischen \u201eKalinkas\u201c. Mein VW Polo steht am Flughafen, Ebene 2 (Feuerrot), Sektion E. Der Ersatzschl\u00fcssel ist in meiner Wohnung zu finden \u2013 direkt im Balsaholztresor hinter dem Jungschaffnerinnenkalender. Trinken Sie ein gutes Bier auf mein Wohl.<\/p>\n<p>Kali nichta,<\/p>\n<p>Ihr Ihnen stets verbundener Freund Ing. D\u00f6bl, Alois.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dramatische Kunde meines Freundes und Griechenlandurlaubers Ing. D\u00f6bl erreichte mich dieser Tage: Alykanas, 7. 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