{"id":364,"date":"2013-06-01T15:56:22","date_gmt":"2013-06-01T13:56:22","guid":{"rendered":"http:\/\/www.oebwsv.at\/zwickel\/?p=364"},"modified":"2013-10-25T17:49:09","modified_gmt":"2013-10-25T15:49:09","slug":"interview-mit-einem-warmbier","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.alsbachprinzessin.at\/zwickel\/2013\/06\/01\/interview-mit-einem-warmbier\/","title":{"rendered":"Interview mit einem Warmbier"},"content":{"rendered":"<p>Werte Leserschaft, Enth\u00fcllungsjournalismus ist eigentlich nicht meine St\u00e4rke. Aber manches Mal muss ein Mann tun, was ein Mann eben tun muss. J\u00fcngst wurde ich im Umfelde der ansonst so heiteren Bierlandschaft einer Untergrundszene gewahr, die der Aufarbeitung bedarf: Durch schlimmste Behandlung des Schankpersonals in die Illegalit\u00e4t gedr\u00e4ngte Biere. Biere, die untrinkbar ihr Dasein fristen und jedwede Hoffnung auf bessere Tage l\u00e4ngst aufgegeben haben. Biere, deren Perspektivlosigkeit bei schalem Blubbern beginnt und im Ausguss endet. Lesen Sie dazu meinen aufr\u00fcttelnden Insiderbericht, den ich nahezu unter Lebensgefahr den Imponderabilien der Zeit entriss.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Meine Recherchen gestalteten sich anfangs naturgem\u00e4\u00df \u00e4u\u00dferst schwierig. Nach l\u00e4ngerem, behutsamen Vorf\u00fchlen in einschl\u00e4gigen Internetforen und vor Ort in der Szene, gelang es mir schlie\u00dflich aber doch, ein betroffenes Bier zu einem Stelldichein zu \u00fcberreden. Dies hatte aufgrund eingeschleuster Spione der Braukonzerne unter strengster Geheimhaltung zu geschehen.\u00a0 Unter Aufbietung all meiner aus James-Bond-Filmen gewonnenen Erkenntnisse, Tricks und Kniffe versuchte ich also, ein Treffen zu arrangieren, ohne die Aufmerksamkeit auf uns zu ziehen.<\/p>\n<p>Nach mehreren gescheiterten Versuchen ist es dann aber so weit: An einem verregneten Dienstag mache ich mich, den Wanst voll der Spannung, unauff\u00e4llig als argentinischer Gaucho getarnt, zum vereinbarten Treffpunkt in einem Lokal Ecke Hernalser Hauptstrasse\/Wattgasse (Name der Red. bekannt) auf. Nerv\u00f6s, mit irrlichternden Schaumbl\u00e4schen um sich lurend, wartet das Bier, das an dieser Stelle einfach nur \u201cCarlos\u201d genannt werden m\u00f6chte, bereits an einem der hinteren Tische. Anhand des vereinbarten Zeichens \u2013 Carlos tr\u00e4gt eine Nelke im Knopfloch \u2013 erkenne ich es sofort. Wir begr\u00fc\u00dfen uns fl\u00fcchtig, und nach einer Versicherung, dass ich all meine Verfolger abgesch\u00fcttelt h\u00e4tte, weicht langsam die Spannung von meinem Gegen\u00fcber. Von nun an\u00a0 reden wir ganz offen.<\/p>\n<p><strong>Zwickel:<\/strong> Herr \u201cCarlos\u201d, ich kann zun\u00e4chst nicht umhin zu bemerken, dass Sie trotz Ihres mir bereits in groben Z\u00fcgen bekannten Leidensweges einen \u00e4u\u00dferst frischen, ja, ich m\u00f6chte fast behaupten: rezenten Eindruck auf mich machen! <em>(siehe Foto)<\/em><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.oebwsv.at\/zwickel\/wp-content\/uploads\/warmbier.jpg\" data-rel=\"lightbox-image-0\" data-rl_title=\"\" data-rl_caption=\"\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" style=\"background-image: none; float: right; padding-top: 0px; padding-left: 0px; margin: 0px 0px 0px 11px; display: inline; padding-right: 0px; border: 0px;\" title=\"\" alt=\"Herr Carlos\" src=\"http:\/\/www.oebwsv.at\/zwickel\/wp-content\/uploads\/warmbier_thumb.jpg\" width=\"184\" height=\"244\" align=\"right\" border=\"0\" \/><\/a><\/p>\n<p><strong>Carlos:<\/strong> Magister &#8211; alles Schall und Rauch. Lug und Trug. Jacke wie Hose. Rotk\u00e4ppchen und der b\u00f6se Wolf, Laurel und Hardy. K\u00fcnstlicher Schaum und eine Kohlendioxidinfusion\u00a0 \u2013 farblich habe ich mich mit einem Schuss J\u00e4germeister in Form gebracht. Rein kosmetische Ma\u00dfnahmen. In meinem Zustand k\u00f6nnte ich mich sonst nicht unter Menschen wagen. Man w\u00fcrde mich auf der Stelle enttarnen und einkassieren!<\/p>\n<p><strong>Zwickel:<\/strong> Dass Sie sich mir heute anvertrauen ist ein mutiger Schritt.<\/p>\n<p><strong>Carlos:<\/strong> Sie m\u00f6gen das so sehen, aber einer muss ja einmal den ersten Schritt tun, sonst bleibt unser Dasein unbeachtet \u2013 ewiglich!<\/p>\n<p><strong>Zwickel:<\/strong> Ich darf also davon ausgehen, dass schale, warme oder sonst in irgendeiner Form an der Schank misshandelten Biere zahlreicher sind, als mein gemeiniglich annehmen m\u00f6chte?<\/p>\n<p><strong>Carlos:<\/strong> Worauf Sie sich\u00a0eines zapfen k\u00f6nnen! Wenn ich Ihnen sage, dass wir Myriaden sind, so ist dies nicht \u00fcbertrieben. Die Dunkelziffer d\u00fcrfte aber weit h\u00f6her liegen.<\/p>\n<p><strong>Zwickel:<\/strong> Was meinen Sie mit \u201cDunkelziffer\u201d?<\/p>\n<p><strong>Carlos:<\/strong> Tja, und damit w\u00e4ren wir beim Thema! Etwa 50% der schlecht gezapften, schlecht gek\u00fchlten oder durch unzureichende Schankhygiene verkr\u00fcppelten Biere gelangen n\u00e4mlich trotzdem zur Ausschank. Es gibt Wirte, die sind einfach Halunken und machen dem unkundigen Gast ein X f\u00fcr ein U vor.<\/p>\n<p><strong>Zwickel:<\/strong> Ein interessanter Punkt. Bewusste Vertuschung also?<\/p>\n<p><strong>Carlos:<\/strong> Ganz recht. Und das in gro\u00dfem Stil. Wir echten Stiefkinder landen auf der Stra\u00dfe, so wir entkommen &#8211; als lebendige Zeugen der S\u00fcnde st\u00e4ndiger Verfolgung durch Wirte und Brauer ausgesetzt. In verwinkelten Gassen vegetieren wir im Zwielicht und fliehen die Gesellschaft.<\/p>\n<p><strong>Zwickel:<\/strong> Ein Leben unter schwierigen Umst\u00e4nden. Erz\u00e4hlen Sie mir davon.<\/p>\n<p><strong>Carlos:<\/strong> Was soll ich sagen. Eine st\u00e4ndige Gratwanderung zwischen Selbstaufgabe, fortgesetztem Aufkarbonisieren und Schaumkosmetik. Einzig der Duft nach verfaultem Badeschwamm macht uns zu schaffen. Dagegen finden wir kein rechtes Mittel. F\u00fcr den Nichtkenner aber nicht zu identifizieren. Sie sehen ja, was tagt\u00e4glich in den Gaststuben serviert und nicht beanstandet wird. Irgendwie, so haben wir alle den Eindruck, m\u00fcssen wir am Leben bleiben, um dereinst Zeugnis ablegen zu k\u00f6nnen von den an uns ver\u00fcbten Verbrechen und den uns zugemuteten Repressalien.<\/p>\n<p><strong>Zwickel:<\/strong> Woher nehmen Sie die Mittel, um diesen Apparat aufrecht zu erhalten?<\/p>\n<p><strong>Carlos:<\/strong> Das m\u00f6chte ich nicht n\u00e4her beleuchten. Nur so viel: Wir haben einflussreiche G\u00f6nner aus der Weinindustrie. Von ihren Spenden zehren wir.<\/p>\n<p><strong>Zwickel:<\/strong> Nun m\u00f6chte ich aber doch einmal von Ihnen probieren, Herr Carlos!<\/p>\n<p><strong>Carlos:<\/strong> Bitte, tun Sie sich keinen Zwang an, \u00fcberzeugen Sie sich selbst. Aber ich warne Sie!<\/p>\n<p>Liebe Leser, an dieser Stelle scheut es mich, Ihnen den Ausgang des Gespr\u00e4chs in allen Details zu schildern. Nur soviel sei glossiert: \u201cCarlos\u201d landete im Ausguss, und ich trank auf den Schreck hin 16 frische Seidln in der Alsbachprinzessin. Mit der illegalen Szene der Warmbiere r\u00e4umten wir in den n\u00e4chsten Tagen geh\u00f6rig auf. Denn das Leben ist zu kurz, um sich mit solchen Grauslichkeiten zu umgeben \u2026<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Werte Leserschaft, Enth\u00fcllungsjournalismus ist eigentlich nicht meine St\u00e4rke. Aber manches Mal muss ein Mann tun, was ein Mann eben tun muss. 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