{"id":343,"date":"2013-04-01T21:23:39","date_gmt":"2013-04-01T19:23:39","guid":{"rendered":"http:\/\/www.oebwsv.at\/zwickel\/2013\/04\/01\/leserpost\/"},"modified":"2013-10-25T17:48:56","modified_gmt":"2013-10-25T15:48:56","slug":"leserpost","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.alsbachprinzessin.at\/zwickel\/2013\/04\/01\/leserpost\/","title":{"rendered":"Leserpost"},"content":{"rendered":"<p>Werter Leserschaft, p\u00fcnktlich zum diesj\u00e4hrigen Osterfeste, erreichte mich in meiner Redaktion am Stammtisch der Alsbachprinzessin nachstehender Leserbrief, der uns in seiner Dramatik zu Denken geben sollte. Feiern wir zu viele Feste, oder zu wenige? Und: warum nicht alles gleich ein wenig entflechten?<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>\u201cSehr geehrter Herr Magister,<\/p>\n<p>Ich mag Ostern, aber noch viel lieber Weihnachten. Oder beides. Meinen Namen m\u00f6chte ich nicht preisgeben, da er erstens nicht gerade von phonetischer Meisterhand entworfen wurde, und ich zweitens Angriffe irgendwelcher reaktion\u00e4rer \u201eWeihnachten-ist-doch-eh-nur-noch-Kommerz\u201c Aktivisten auf meine mir heilige Besinnlichkeit f\u00fcrchte. Drittens tut er nichts zur Sache.<\/p>\n<p>Die Zeit der unseligen Christkindlwarterei kann auch gef\u00e4hrlich sein. Vor allem dann, wenn man sich fest vorgestellt hat, das liebe Christkindl w\u00fcrde die Bescherung durchziehen. Es gibt zwei Kategorien von Menschen: die Christkindfanatiker und die Weihnachtsmanngroupies.<\/p>\n<p>Letztes Jahr hat es unseren lieben Freund Dr. Winkel erwischt; ein gl\u00fchender Anh\u00e4nger der Christkindlfraktion- man hatte ihm quasi den Weihnachtsbaum unter dem Hintern angez\u00fcndet. Als er Mitte Juli von der Intensivstation entlassen wurde, und er das Sprechen wieder erlernt hatte, erz\u00e4hlte er von einem dicken, seltsam gekleideten, ihm v\u00f6llig unbekannten Mann, der am Heiligen Abend sternhagelbesoffen den Schornstein heruntergerasselt war. Der von ihm str\u00f6mende alkoholische Geruch habe gereicht, um die sch\u00f6nen obersteirischen Weihnachtsbaumkerzen aus s\u00fcdburgenl\u00e4ndischem Wanderhornissenwachs in einen durch das Wohnzimmer w\u00fctenden Kugelblitz zu verwandeln. (Ich zitiere Dr. Winkler beinahe w\u00f6rtlich: \u201eEin Geruch von Aquavit, der mich unvermittelt erbrechen lie\u00df- ein Blitz, dann war es Nacht.\u201c). Eine Trag\u00f6die!<\/p>\n<p>Nun, ich schweife ab. Zum Thema:<\/p>\n<p>Der Adventzauber verzaubert auch mich. Wenn der erste Schnee linde vom Himmelszelt rieselt wie die Schuppen von meiner Kopfhaut, asiatische H\u00e4ndler ihre Waren auf diversen Osterm\u00e4rkten feilbieten, der Duft von Langos, Bratw\u00fcrsten, gebrannten Mandeln, kandierten Schweinsk\u00f6pfen und Zuckerwatte in vollgestopften, von kaufw\u00fctigen Menschenmassen erf\u00fcllten Strassen h\u00e4ngt, dann wei\u00df ich: es ist Weihnachtszeit. Sp\u00e4testens. Oft bricht es ja schon ein wenig fr\u00fcher \u00fcber uns herein. Manchmal einfach schwer zu bemerken, wann es so richtig losgeht.<\/p>\n<p>Das letzte untr\u00fcgliche Zeichen: Schokoladenweihnachtsm\u00e4nner, die meist Mitte August in Superm\u00e4rkten angeboten werden; gerade zur richtigen Zeit, habe ich immer gedacht. Gehen ja auch weg wie die warmen Semmeln- keine Frage!<\/p>\n<p>Bereits Ende Juli halte ich dann Ausschau nach den ersten Punschst\u00e4nden. Punsch, Sie haben richtig gelesen!<\/p>\n<p>Mein Urgro\u00dfvater, einst Hoflieferant f\u00fcr Haushaltswaren des Erbschleichprinzen von Posen und Unterpommern, vermachte der Familie- und das ist wirklich eine tolldreiste Sache- ein speziell f\u00fcr das weihnachtliche Punschtrinken entworfenes H\u00e4ferl, dessen F\u00fcllmenge von beinahe drei Litern jedes Adventsmarkts\u00e4uferherz h\u00f6her schlagen l\u00e4sst.<\/p>\n<p>Werden die Punschh\u00fctten nach Neujahr respektive nach Ostern abgebaut, wandert unser heiliger Gral sofort in einen sicheren Safe der \u00d6sterreichischen Postsparkasse, um mit Anfang der Punscherei in einer heiligen Zeremonie eingeweiht zu werden. Das hat Familientradition.<\/p>\n<p>Das geht so: Dies pr\u00e4chtige Gef\u00e4\u00df aus tschechischem Elfenbein, usbekischer Halbseide und feinstem, andalusischen Rohschinken, dessen Ausf\u00fchrung so derma\u00dfen kaprizi\u00f6s und gefinkelt ist, dass ich es hier in Worten gar nicht beschreiben kann- dieses grandios gutaussehende Trinkgef\u00e4\u00df also ist an vorderster Front, mitten im Kampfget\u00fcmmel dabei, wenn \u201eO\u2019zapft wird\u201c.<\/p>\n<p>Ja, Sie haben wieder einmal richtig gelesen.<\/p>\n<p>In meiner Heimatstadt hatte man der Bequemlichkeit halber das Oktoberfest, das man eigentlich nie gefeiert hat, mit dem Beginn der Punschsaison zusammengelegt. Die beiden Feste, die zu einem geworden waren, hatte man dann aus wirtschaftlichen \u00dcberlegungen heraus gegen Ende August angesiedelt.<\/p>\n<p>F\u00fcr mich ist das \u00fcberaus g\u00fcnstig. Der Punsch wird aus gro\u00dfen 50l F\u00e4ssern aus immerstr\u00f6menden H\u00e4hnen ausgeschenkt, dazu gibt\u2019s halbe Brathendl, Elefanten am Spie\u00df und Sauerkraut. Z\u00fcnftige Bauernm\u00e4dchen mit m\u00e4chtig&#8230;..egal.<\/p>\n<p>Unser heiliger Gral leistet hervorragende Dienste. Denn wer etwas auf sich h\u00e4lt, ist nat\u00fcrlich nur mit eigenem Trinkger\u00e4t unterwegs; das macht Eindruck und spart Bechereinsatz. Ein eigenes, noch dazu seit Generationen vererbtes Trinkger\u00e4t in Punschzeiten, das ist etwas, das nicht jeder hat. Vergleichbar vielleicht h\u00f6chstens mit einem amerikanischen Pazifisten, oder einem in Orangescheiben gewickelten Taktstock.<\/p>\n<p>Am ersten Tage des gro\u00dfen, j\u00e4hrlichen Trinkgelages also spaziere ich mit meiner Familie auf die \u201eWiesn\u201c, und w\u00e4hrend ich mich bis Oberkante Unterkiefer vollaufen lasse, fahren die Kleinen Karussell, oder versuchen ihr Geschick beim \u201eHau den Harry Potter\u201c. Miriam, meine vierj\u00e4hrige Tochter, die j\u00fcngste im Bunde, speibt dann meist nach zwei Stunden, weil ihr schwindelig wird; ich \u00fcbergebe mich bereits nach maximal einer Stunde, weil 10l Punsch kaum einer vertr\u00e4gt. Und warum meine Frau dann den Lokus aufsucht, d\u00fcrfte Ihnen mittlerweile klargeworden sein. Trotzdem hat die allj\u00e4hrliche \u00dcbelkeit Tradition. Schon mein Urgro\u00dfvater fr\u00f6nte der \u00dcbelkeit, wie auch mein Gro\u00dfvater und mein Vater der \u00dcbelkeit fr\u00f6nte. Mit ihnen die bedauernswerten Frauen.<\/p>\n<p>Das ist einfach immer eine sehr sch\u00f6ne Zeit, dieser Advent. Im August und September.<\/p>\n<p>Es hei\u00dft freilich aufpassen, und die Zeit besinnlich und mit der gebotenen Ruhe zu verbringen. Aber ja nichts vers\u00e4umen! Denn Anfang Oktober beginnt das Ostergesch\u00e4ft, und wir blasen schon wieder Eier aus.<\/p>\n<p>In diesem Sinne w\u00fcnsche ich Ihnen und der Entourage der Alsbachprinzessin ein frohes Fest. Welches auch immer!<\/p>\n<p>Ein stiller Bewunderer.\u201d<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Werter Leserschaft, p\u00fcnktlich zum diesj\u00e4hrigen Osterfeste, erreichte mich in meiner Redaktion am Stammtisch der Alsbachprinzessin nachstehender Leserbrief, der uns in seiner Dramatik zu Denken geben sollte. 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