{"id":299,"date":"2012-07-24T06:44:08","date_gmt":"2012-07-24T04:44:08","guid":{"rendered":"http:\/\/www.oebwsv.at\/zwickel\/2012\/07\/24\/krzarbeit\/"},"modified":"2012-07-24T06:44:08","modified_gmt":"2012-07-24T04:44:08","slug":"krzarbeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.alsbachprinzessin.at\/zwickel\/2012\/07\/24\/krzarbeit\/","title":{"rendered":"K\u00fcrzarbeit"},"content":{"rendered":"<p>In der Welt der Zeitungsleute gibt es eine Reihe von Quasi-Gesetzen, allesamt unbarmherzig und grausam. \u201cDer Chefredakteur hat immer Recht\u201d, w\u00e4re ein Beispiel. Oder: \u201cDer Lektor beherrscht seine Grammatik\u201d. Besonders h\u00fcbsch, wie ich finde: \u201cDer Layouter wei\u00df, wie\u2019s gut aussieht\u201d. Den Terminus \u201cQuasi\u201d habe ich mir zu Anfang erlaubt, da all diesen Gesetzen gemein ist, dass sie im Zeitungsalltag zwar mit physikalischer Pr\u00e4zision gelebt werden, bislang jedoch unbewiesen sind.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Genau diese Unbewiesenheit, dieser Hauch des leisen aber berechtigten Zweifels unterscheidet sie von der simpelsten und gleichzeitig unantastbarsten aller Regeln: \u201cDer Kolumnist ist wirklich das Allerletzte!\u201d Das ist der pythagor\u00e4ische Satz des Zeitungsvolkes, die Weltformel, ohne die keine Tageszeitung, kein Wochenblatt, kein Jahresalmanach jemals erscheinen k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Ich will mich an dieser Stelle gar nicht dar\u00fcber beschweren, dass sich gef\u00fchlte hundertzehn Prozent aller bei mir einlangenden Auftr\u00e4ge mit Themen befassen, die mir soviel Freude bereiten wie das Absingen der mongolischen Staatshymne unter Wasser. Oh, nein! Auf ein, mir vom Chefredakteur des Hernalser Morgenpostillons telefonisch entgegengeschmettertes \u201cGeh, Zwickel, bis morgen brauch ich von dir was Lustiges \u00fcbers Trinkwasser!\u201d, reagiere ich cool und professionell und besaufe mich erstmal bis zum Verlust der Muttersprache. Was mir jedoch richtig Migr\u00e4ne verursacht, ist die Sache mit der L\u00e4nge. Oder mit der K\u00fcrze, je nachdem.<\/p>\n<p>Die Wahrheit ist n\u00e4mlich, dass oben stehender Satz immer, ja IMMER, erg\u00e4nzt wird durch, zum Beispiel, ein saloppes \u201cDu wei\u00dft aber eh: h\u00f6chstens hundertsechzig. Mit!\u201d Bedeutet \u00fcbersetzt, dass der gute Herr Chefredakteur a) was \u00fcbers Trinkwasser will, dies b) lustig sein soll, und dass dieses Meisterwerk dann c) auf gar keinen Fall die epische L\u00e4nge von hundertsechzig Zeichen mit Leerzeichen \u00fcberschreiten darf, andernfalls \u00d6sterreich aus den Vereinten Nationen rausgeworfen wird. Probieren Sie das bitte mal!<\/p>\n<p>\u00dcberhaupt lassen meine Auftraggeber in dieser Causa ihrer Fantasie stets freien Lauf, nicht jeder vermag pr\u00e4zise zu sein. \u201cKeinen Roman bitte\u201d, bekommt man da zu h\u00f6ren. \u201cNicht zu lang und nicht zu kurz\u201d, ist ebenfalls beliebt. Jenen obskuren Fall m\u00f6chte ich ihnen nicht vorenthalten, in dem sich der Herausgeber einer quartalsweise erscheinenden Fachzeitschrift von mir einen Artikel von exakt (sic!) 632 Zeichen L\u00e4nge ausbat. \u201cVorgabe vom Layouter\u201d, meinte er, \u201cder wei\u00df wie\u2019s gut aussieht!\u201d Ah ja.<\/p>\n<p>Fr\u00fcher war ich naiv (renitent, redete ich mir damals ein) und lieferte stets Geschriebenes irgendeiner L\u00e4nge, blo\u00df um Redakteure und Lektoren zu zwingen, mich auf Knien und h\u00e4nderingend um K\u00fcrzung anzuflehen. Das war nat\u00fcrlich bl\u00f6d von mir, denn meist setzten diese Barbaren gleich selbst den Rotstift an. Geht ja schneller, haben wir ja gleich. Wie tragisch das enden kann, beweist ein Beitrag von mir, den ich dereinst f\u00fcr \u201cDas Flohband\u201d verfasst habe, das offizielle Organ der Wiener Kleinhundehalter. Hier fand sich folgender, von mir perfekt in Szene gesetzter Absatz:<\/p>\n<p><em>\u201cAuch im eigenen Heim vermag sich das schottische Kurzhaar perfekt zu integrieren. Die ihm wohl \u00fcber die Jahrhunderte angez\u00fcchtete Sesshaftigkeit macht es zum perfekten Wohngef\u00e4hrten. Freundlich, duldsam, sauber und speziell in den Nachtstunden ruhig und brav, bereitet es seinem Halter nichts als Vergn\u00fcgen.\u201d<\/em><\/p>\n<p>Gut, oder? Aber nat\u00fcrlich viel zu lang. Jedenfalls durfte ich mit Best\u00fcrzung in der fertigen Ausgabe, unter meinem Namen ver\u00f6ffentlicht, lesen:<\/p>\n<p><em>\u201cF\u00fcr daheim ist das schottische Kurzhaar perfekt. Seit Jahrhunderten bereitet es seinen Haltern Vergn\u00fcgen. Speziell in den Nachtstunden.\u201d<\/em><\/p>\n<p>Ein geschlagenes Jahr lang wurde ich von der Hernalser Dackelgemeinde geschnitten. Seither bin ich jedenfalls auf der Hut, bem\u00fcht, alle L\u00e4ngenvorgaben an mein geschriebenes Wort peinlich genau einzuhalten. Nicht immer gelingt es mir dabei, Gro\u00dfes zu schaffen. So wand ich mich auch aus der oben zitierten Trinkwasseraff\u00e4re zum Abgabetermin mit einer Flucht ins Lyrische:<\/p>\n<p>\u201cWassiWassiWassiWassiWassiWassiWassiWassiWassiWassiWassiWassiWassiWassiWassiWassiWassiWassiWassiWassi \u2013 Trink!\u201d <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In der Welt der Zeitungsleute gibt es eine Reihe von Quasi-Gesetzen, allesamt unbarmherzig und grausam. \u201cDer Chefredakteur hat immer Recht\u201d, w\u00e4re ein Beispiel. Oder: \u201cDer Lektor beherrscht seine Grammatik\u201d. 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