{"id":296,"date":"2012-07-19T08:39:38","date_gmt":"2012-07-19T06:39:38","guid":{"rendered":"http:\/\/www.oebwsv.at\/zwickel\/2012\/07\/19\/luftikus\/"},"modified":"2012-07-19T08:39:38","modified_gmt":"2012-07-19T06:39:38","slug":"luftikus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.alsbachprinzessin.at\/zwickel\/2012\/07\/19\/luftikus\/","title":{"rendered":"Luftikus"},"content":{"rendered":"<p>In der Alsbachprinzessin verwehrt man sich seit jeher allem was modern sein k\u00f6nnte. Im Grunde ist das auch gut so und wird von der traditionsbewussten Stammdranglermannschaft begr\u00fc\u00dft. Zieht jedoch der Sommer ins Land, regt sich sogar in der Prinzessin ein gewisser Unmut im Volke. \u201cOida\u201d, so h\u00f6rt man dann, \u201cwieso hobts\u2019n es ka Klimaaunlog?\u201d<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>\u201cHoid\u2019s die Papp\u2019n\u201d, kontert an dieser Stelle Lieblingskellner Frantisek die aufkeimende Renitenz, \u201cwir brauch\u2019n do herinnen kan Klimawandel!\u201d, und schaut dabei bedeutungsvoll zum einzigen Deckenventilator hoch, der in der Gaststube mit gef\u00fchlten zwei Umdrehungen pro Stunde seit Urzeiten seinen trostlosen Dienst versieht. Der solcherart belehrte Gast sieht sich nun vor die Wahl gestellt, die Alsbachprinzessin hitzebedingt zu fliehen, was die Lage nur rudiment\u00e4r bessern w\u00fcrde, oder sich die herrschenden Backofentemperaturen einfach sch\u00f6n zu saufen. Ein Fernet mit Eis hilft f\u00fcr gew\u00f6hnlich, den so entstandenen Gewissenskonflikt zeitnah und effizient aufzul\u00f6sen.<\/p>\n<p>Aber was lehrt uns die Geschichte? In jeder schlampig gef\u00fchrten Diktatur ist\u2019s irgendwann Schluss mit lustig. Es darf also nicht verwundern, dass sich letzte Woche eine dreik\u00f6pfige Stammg\u00e4stedelegation mit Groll im Herzen und Schwei\u00df auf der Stirn vor Frantisek aufbaute. \u201cFrantisek\u201d, so sprach der Ingenieur Penz, der allem Anschein nach zum Revolutionsf\u00fchrer bestimmt worden war, mit kaum zitternder Stimme, \u201cwenn sich hier klimatisch nix \u00e4ndert, dann gehen wir ab jetzt in die <em>Schwarze Katz<\/em>!\u201d Frantisek, eben noch vertieft, aus der vorgestrigen Krone einen Sonnenhut zu falten, erstarrte. Langsam, sehr langsam legte er die Zeitung zur Seite und richtete sich zu voller Gr\u00f6\u00dfe auf. Rein optisch, so schien es mir von meinem sicheren Beobachtungsposten an der Schank, schrumpften die drei wackeren Helden zeitgleich etwa auf Gartenzwergniveau. Neben dem Ingenieur Penz waren noch der Obmann vom Sparverein und der Schnapserk\u00f6nig angetreten, ihr Leben f\u00fcr die gute Sache zu lassen. \u201cUnd wer, ihr Waschln\u201d, schrie Frantisek nun mit Donnergrollen in der Stimme, \u201csoll des zahlen? Ha?\u201d<\/p>\n<p>\u201cWir haben zammg\u2019legt!\u201d, quiekte da der Obmann des Sparvereins und wachelte mit einem Kuvert vor Frantiseks Nase herum. An dieser Stelle f\u00fchlte sich der Lieblingskellner wohl bereits etwas in die Defensive gedr\u00e4ngt: \u201cJa bittsch\u00f6n, dann geht\u2019s halt und kauft\u2019s a Klima.\u201d, sagte er trotzig, \u201cICH hab f\u00fcr sowas aber ka Zeit!\u201d Betretenes Schweigen trat ein, hatte doch keiner der Akteure den bisherigen Gespr\u00e4chsverlauf so vorausgesehen. \u201cAlso ich kann auch nicht\u201d, sprach der Ingenieur Penz schlie\u00dflich mit unsicherem Blick durchs Fenster, vor dem sich der Sommer gerade anschickte das vierzigste Grad auf Hernals runterzupr\u00fcgeln. Auch die anderen Herrschaften wirkten tendenziell demotiviert, die relative Sicherheit der Alsbachprinzessin aufzugeben.<\/p>\n<p><em>Bl\u00f6de G\u2019schicht<\/em>, dachte ich am\u00fcsiert und nahm einen genuss- aber vor allem ger\u00e4uschvollen Schluck von meinem Kr\u00fcgerl. Ein Fehler, denn solcherart auf mich aufmerksam geworden, wandten sich nun vier Augenpaare in meine Richtung. \u201cDas k\u00f6nnt\u2019s gleich vergessen\u201d, sagte ich noch, aber es sind wohl immer <em>diejenigen mit den j\u00fcngsten Beinen<\/em> und die, <em>die sich mit dem Technikklumpert halt am Besten auskennen<\/em>, die am Ende immer die sprichw\u00f6rtliche <em>Krod<\/em> fressen d\u00fcrfen.<\/p>\n<p>Eine halbe Stunde sp\u00e4ter fand ich mich jedenfalls dem klimatechnisch \u00fcberw\u00e4ltigenden Sortiment beim Elektro-Vavra ausgeliefert, drei Querstra\u00dfen von der Alsbachprinzessin entfernt. \u201cEin Klimager\u00e4t f\u00fcr die Gastro? Warten\u2019s Zwickel, da hab ich was Fesches\u201d, sprach der alte Vavra und verschwand im Lager, aus dem er kurze Zeit sp\u00e4ter mit einem Riesenkarton auf einem Rollwagerl wiederkehrte. \u201cDas da\u201d, schnaufte er, \u201cist der <em>PubCooler XL<\/em>. Den hab ich aus einer Insolvenz. Spottbillig!\u201d<\/p>\n<p>\u201cWieviel?\u201d, sagte ich. Vavra nannte einen Preis und ich tat einen ersten Blick ins Stammg\u00e4stekuvert, das ich mitbekommen hatte. Danach brach ich in schallendes Gel\u00e4chter aus.<\/p>\n<p>Kurz danach in der Alsbachprinzessin, wo ich einem hechelnden, schwitzenden Publikum, das mit erwartungsvollen Blicken an meinen Lippen hing, meine Anschaffung mit gro\u00dfer Geste pr\u00e4sentierte. \u201cDas, meine Herren\u201d, ich stellte ein nicht wahnsinnig gro\u00dfes Plastiksackerl auf den Tisch, \u201cist das Ende all unserer Klimasorgen. Ich sag nur\u201d, und hier enth\u00fcllte ich, was ich mitgebracht hatte, \u201czieht\u2019s Euch warm an!\u201d<\/p>\n<p>Die Stille, die eintrat, war schwer zu deuten. Augenbrauen hoben sich, Mundwinkel taten gegenteiliges, ehe der Ingenieur Penz irritiert versuchte, die Situation f\u00fcr sich auf den Punkt zu bringen: \u201cZwickel, bist deppert word\u2019n?\u201d Heftiges, zustimmendes Nicken vom Obmann des Sparvereins, der Schnapserk\u00f6nig schnappte nach Luft.<\/p>\n<p>\u201cHochverehrtes Publikum\u201d, ich war nun ganz in meinem Element, \u201cwas sie hier sehen, ist der LUFTIKUS 2000, das derzeit letzte Wort am Kleinklimasektor. Gewisserma\u00dfen die technologische Speerspitze im Bereich der Mikroluftverwirbelung, und damit das allerbeste, das man heutzutage im Preissegment bis f\u00fcnfzehn Euro kriegen kann!\u201d<\/p>\n<p>Ich lie\u00df meine Worte wirken, w\u00e4hrend von der Schank her Frantiseks h\u00e4misches Kichern zu h\u00f6ren war. Ich kann es ihm nicht verdenken, denn der LUFTIKUS 2000 wirkte auf den ersten Blick nur m\u00e4\u00dfig beeindruckend. In dunklem Aquamarin gehalten \u00fcberragte der Tischventilator kaum ein Seidlglas. Die Gesichter meiner drei Patienten hatten inzwischen eine tiefe Schamesr\u00f6te angenommen. \u201cIch hab dir gleich g\u2019sagt, dass des nix wird\u201d, zischte der Ingenieur Penz den Obmann des Sparvereins an. \u201cJa, was h\u00e4tt ich machen sollen, wenn wir erst letzte Woche Auszahlung g\u2019habt haben?\u201d Der Schnapserk\u00f6nig hingegen rief: \u201cGeh Zwickel, dann schalt das, \u00e4h, Dings da halt einmal ein, in Gott\u2019s Nam!\u201d<\/p>\n<p>\u201cIch habe mir erlaubt, die Bereicherung des Alsbachprinzessinnenklimas durch die Anschaffung zweier nicht im Lieferumfang des LUFTIKUS 2000 enthaltenen Batterien zu unterst\u00fctzen\u201d, rief ich fr\u00f6hlich und dr\u00fcckte den Ein-Schalter. In der ersten Sekunde passierte erst mal gar nichts, dann beschloss der kleine Luftikus aber doch noch, vorsichtig flappend den Dienst aufzunehmen. Der Ingenieur Penz sprang auf und ging mit seinem Gesicht nahe an den Ventilator heran. Sehr nahe.<\/p>\n<p>\u201cAaah, des is herrlich!\u201d<\/p>\n<p>\u201dGeh Penz, lass mi auch amoi!\u201d, dr\u00e4ngelte der Obman des Sparvereins, \u201cPfau, sehr super!\u201d<\/p>\n<p>\u201dJetzt bin ich aber dran\u201d, rief der Schnapserk\u00f6nig.<\/p>\n<p>Den restlichen Nachmittag und Abend konnte man nun beobachten, wie die drei aus allern\u00e4chster N\u00e4he dem LUFTIKUS 2000 huldigten. Dr\u00e4ngelnd, keppelnd, st\u00f6hnend und nach k\u00fchler Luft gierend. Bis zur Sperrstunde musste noch dreimal geknobelt werden, wer als n\u00e4chster neue Batterien beim Elektro-Vavra holen geht.<\/p>\n<p>\u201cWir schauen halt auf unsere Stammg\u00e4st!\u201d, grinste mich Frantisek an, als ich den Heimweg antrat. Die Temperatur in der Prinzessin lag zu diesem Zeitpunkt bei 37 Grad, was mich aber nicht k\u00fcmmerte. Immerhin erwartete mich daheim schon mein neuer Liebling. Der PubCooler XL.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In der Alsbachprinzessin verwehrt man sich seit jeher allem was modern sein k\u00f6nnte. Im Grunde ist das auch gut so und wird von der traditionsbewussten Stammdranglermannschaft begr\u00fc\u00dft. 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