{"id":250,"date":"2011-11-13T14:35:05","date_gmt":"2011-11-13T12:35:05","guid":{"rendered":"http:\/\/www.oebwsv.at\/zwickel\/?p=250"},"modified":"2011-11-13T14:35:05","modified_gmt":"2011-11-13T12:35:05","slug":"sonntag","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.alsbachprinzessin.at\/zwickel\/2011\/11\/13\/sonntag\/","title":{"rendered":"Sonntag"},"content":{"rendered":"<p>\u201eWas sagstn zum Berlusconi?\u201c, fragt mich Lieblingskellner Frantisek pro Forma, als er den Teller abserviert. Das sonnt\u00e4gliche Bruckfleisch und das frisch gezapfte Kr\u00fcgerl haben mich gest\u00e4rkt, dennoch bin ich antriebslos wie lange nicht.<\/p>\n<p>\u201eNaja \u2013 erigiert nicht mehr!\u201c, sage ich teilnahmslos. Dem guten Frantisek ist diese Spitze entgangen \u2013 ein weiterer Versuch, die sonnt\u00e4gliche Fadesse in der Alsbachprinzessin aufzulockern, ist kl\u00e4glich gescheitert. In der Schankstube ist es so leise, man k\u00f6nnte eine Laus furzen h\u00f6ren. Ab und an zerrei\u00dft ein Husten, ein R\u00e4uspern, das Verschieben eines Bierdeckels die unangenehme Stille. Die Uhr \u00fcber der Schank zeigt 12:30 und scheint nur mit halber Geschwindigkeit zu ticken. Leere Tische knarzen und knacken \u2013 sogar das Holz langweilt sich. Mit nahezu \u00e4olischem Get\u00f6se rauscht derweil ein 43er vorbei.<\/p>\n<p>\u201eBald ist Redaktionsschluss f\u00fcr meine Kolumne\u201c, sage ich mit unangemessen lauter Stimme in die Tristesse hinein und die zwei gedankenversunkenen Gestalten an der Schank schrecken eingesch\u00fcchtert zusammen.<\/p>\n<p>\u201eUnd \u2013 wor\u00fcber schreibst?\u201c, grunzt Frantisek nach gef\u00fchlten 10 Minuten. Er scheint ganz mit der Schank verwachsen, formt mit der linken Hand komische Figuren ins Geschirrtuch, w\u00e4hrend die rechte sein dr\u00f6ges Kinn st\u00fctzt. Eine rein rhetorische Frage, denn es k\u00fcmmert ihn \u00fcberhaupt nicht.<\/p>\n<p>\u201eIch brauch mal wieder einen Kn\u00fcller\u201c.<\/p>\n<p>\u201eSoso, einen Kn\u00fcller. Das hat der Mislivec aus Doudleby im Bezirk Budweis auch immer gesagt. Der was Schmieranski beim Gemeindeblatt war. Und weil in Doudleby herich nie was passiert is hat er sich ganz einfach immer die tollsten G\u2019schichtln ausersonnen. Das is auch immer gut gegangen bis zu dem Tag, ich glaub im 78er Jahr wars, wo er euphorisch im Blattl verkindet hat, dass der Kaiser Franz-Josef den Sommerurlaub in Doudleby verbringen wird.\u201c, erz\u00e4hlt Frantisek gedehnt.<\/p>\n<p>\u201eDenk ich mir. Der war zu dem Zeitpunkt ja schon 62 Jahre tot. V\u00f6llig absurd\u201c.<\/p>\n<p>\u201eDes war ned der Grund. Aber 90% der B\u00fcrger ham gegen den Besuch protestiert, und damit hat der Schlamastik angfangt. Der Birgermeister hat sich n\u00e4mlich gleich aufgregt, dass ihm niemand was davon gsagt hat, wo er doch nachm Bierbrauer der wichtigste Mann in Doudleby \u00fcberhaupt w\u00e4r. Und dass er nix vom Kaiserbesuch wei\u00df, wenn er herich noch so viel vorbereiten muss, angfangt vom Stra\u00dfenschmuck, den Begr\u00fc\u00dfungskindern und dem ganzn andern Firlefanz, hat zu einem regelrechten Eklat gf\u00fchrt. Und die sozialistische Partei hat an Aufstand im Gemeinderat gmacht weils der Meinung warn, der Birgermeister h\u00e4tt den Besuch vorher mit ihnen besprechen solln.\u201c<\/p>\n<p>\u201eMan fasst es nicht \u2026\u201c<\/p>\n<p>\u201eDie Brauerei hat sogar schon an eigenen Majest\u00e4tssud aufgsetzt. Und der Mislivec is in Praha-Bohnice glandet, da wos die Verr\u00fcckten behandeln. Weil der hat von seiner G\u2019schicht nimmer zur\u00fcckgekonnt. \u201aWenn I jetzt sag, dass das nur erfunden war, is aus mit meiner makellosen journalistischen Reputation\u2018, hat er gsagt. Und da hat er dann halt noch bissl was dazu gedichtet und schon ham die \u00c4rzte konstatiert ghabt, dass er herich verr\u00fcckt sein muss und ham ihm eine sch\u00f6ne Schizophrenie attestiert.\u201c<\/p>\n<p>\u201eVerst\u00e4ndlich \u2013 ich w\u00e4r wohl zum gleichen Schluss gekommen\u201c.<\/p>\n<p>\u201eDer Dr. Kratky, der was in der Untersuchungskommission war, hat n\u00e4mlich gmeint: \u201aDer Patient leidet an Sinnestr\u00fcbungen ersten Grades und an Realit\u00e4tsverweigerung. Die ganz und gar erfundene Annahme, Seine hochgesch\u00e4tzte Majest\u00e4t Kaiser Franz-Josef w\u00fcrde auch nur einen Fu\u00df in das Kaff Doudleby setzen, in dem kein anst\u00e4ndiger Mensch tot \u00fcber den Zaun h\u00e4ngen mecht, zeugt von einigerma\u00dfen gro\u00dfer geistiger Verwirrung.\u2018 Und damit war das Schicksal vom Mislivec besiegelt. Also pass herich auf wasd schreibst, Magista!\u201c<\/p>\n<p>\u201eFrantisek, Frantisek \u2013 du immer mit deinen tschechischen Geschichten \u2026\u201c, sage ich gequ\u00e4lt.<\/p>\n<p>Aber der Lieblingskellner schaut mir mit seinem treuen, unschuldigen Hundeblick so tief in die Augen, dass ich ihm einfach nur abwinke und mich dem n\u00e4chsten Bier widme.<\/p>\n<p>Zwanzig Minuten bleibt es still, da meint ein Gast unvermittelt:<\/p>\n<p>\u201eFrantisek, eins m\u00f6chte ich jetzt aber schon noch wissen \u2026 isser jetzt dann gekommen?\u201c<\/p>\n<p>\u201eWer?\u201c, fragt Frantisek gedehnt.<\/p>\n<p>Ich lure \u00fcber die Schulter und sehe Peppi Schmalz mit gekr\u00e4uselter Stirn und durchdringendem Blick.<\/p>\n<p>\u201eNa, der Kaiser \u2013 wer sonst?\u201c, sagt Peppi.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eWas sagstn zum Berlusconi?\u201c, fragt mich Lieblingskellner Frantisek pro Forma, als er den Teller abserviert. 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