{"id":240,"date":"2011-08-27T17:23:35","date_gmt":"2011-08-27T15:23:35","guid":{"rendered":"http:\/\/www.oebwsv.at\/zwickel\/2011\/08\/27\/salzgurken-im-berufsalltag-eine-schonungslosigkeit\/"},"modified":"2011-08-27T17:23:35","modified_gmt":"2011-08-27T15:23:35","slug":"salzgurken-im-berufsalltag-eine-schonungslosigkeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.alsbachprinzessin.at\/zwickel\/2011\/08\/27\/salzgurken-im-berufsalltag-eine-schonungslosigkeit\/","title":{"rendered":"Salzgurken im Berufsalltag \u2013 eine Schonungslosigkeit"},"content":{"rendered":"<p>Auch wenn es Ihnen, werte Leserschaft meiner launigen Schilderungen so vorkommen mag, als w\u00e4re mein Alltag nichts anderes als ein einziger langer Sonntagnachmittag im Wurstelprater \u2013 aufregend und voller Salzgurken \u2013 ich darf Ihnen versichern: das Gegenteil ist der Fall. <\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Zugegeben, Salzgurken spielen im Leben eines Schankberaters eine nicht zu untersch\u00e4tzende Rolle, aber der Kontext in dem mein t\u00e4gliches Leben von dieser wunderbaren Delikatesse gekreuzt wird, hat mit dem Terminus \u201caufregend\u201d ungef\u00e4hr soviel zu tun, wie eine Garnitur der 9er-Linie mit der fantastischen Beschreibung \u201cg\u00e4hnend leer\u201d.<\/p>\n<p>Aus diesem Grunde m\u00f6chte ich all jenen unter Ihnen, die sich vielleicht mit dem verzweifelten Gedanken spielen, ebenfalls die Karriere eines Schankberaters anzustreben, kurz und b\u00fcndig schildern, wie die Wahrheit aussieht. Und zwar nichts als die Wahrheit, das bin ich Ihnen und vor allem mir schuldig. Das Sch\u00f6ne am Schankberatermetier: man ben\u00f6tigt kein B\u00fcro. Ein Stammtisch im Lokal der Wahl ist alles, was es zum Ungl\u00fccklichsein braucht. In meinem Falle ist dies, das wei\u00df ohnedies jedes Hernalser Vorstadtkind, die Alsbachprinzessin. Dort schlage ich tagt\u00e4glich meine Zelte auf, br\u00fcte \u00fcber meiner Korrespondenz, pflege Kontakte und studiere Problemf\u00e4lle die von ratlosen Gastronomen und deren nicht minder ratlosen G\u00e4sten an mich herangetragen werden. Erg\u00e4nzt wird diese betriebsame Atmosph\u00e4re in meinem speziellen Fall von Ober- und Lieblingskellner Frantisek, der in seinem Tun und Handeln durchaus mit einer entbehrlichen Chefsekret\u00e4rin verglichen werden kann, f\u00fcr die es nichts wichtigeres gibt, als ihrem Vorgesetzten so richtig auf den Sack zu gehen. Dazu ein kleiner Beispieldialog, wie er sich schon hundertfach zwischen Frantisek und mir zugetragen hat. Stellen Sie sich dazu bitte einfach vor, dass ich gerade mitten in der Lekt\u00fcre des \u00fcberaus komplizierten Jahresberichts des \u00d6sterreichischen Tegestologenverbandes \u2013 Sektion Hernals vertieft bin. Es ist 8 Uhr 45.<\/p>\n<p>\u201cMagst a Bier, Magista?\u201d<\/p>\n<p>\u201cM-m\u201d<\/p>\n<p>\u201cVielleicht a Melansch?\u201d<\/p>\n<p>\u201cDanke, sp\u00e4ter vielleicht.\u201d<\/p>\n<p>\u201cHast an Hunger? A Paarl Debreziner von gestern waratn noch da!\u201c<\/p>\n<p>\u201cJetzt nicht, Frantisek. Ich muss das erst fertigmachen.\u201d<\/p>\n<p>\u201cDu arbeitest z\u2019viel, Magista. Was is\u2019n des \u00fcberhaupt?\u201d<\/p>\n<p>An dieser Stelle erhebe ich stets den Blick, um herauszufinden, wer au\u00dfer mir in der Prinzessin vielleicht noch die Aufmerksamkeit von Frantisek verdienen k\u00f6nnte. Darin \u00e4hnle ich einem aufmerksamen Hundebesitzer, der sich \u00fcberlegt, in welche Richtung er seinem geliebten Gef\u00e4hrten das St\u00f6ckchen werfen k\u00f6nnte. Ich entdecke jedoch lediglich den Ingenieur Penz, seines Zeichens Weltenmaschinenerfinder, ins Gespr\u00e4ch vertieft mit dem Doktor Ampelfieber, Neuwaldeggs einzigem Gaschromatographenverleiher. Die beiden hecken wie \u00fcblich einen ihrer unfehlbaren Pl\u00e4ne aus, wie sie mit m\u00f6glichst wenig Aufwand und ohne dabei jemandem auf die F\u00fc\u00dfe zu treten die Weltherrschaft an sich reissen k\u00f6nnten. Das tun sie seit zwanzig Jahren, sind dabei jedoch noch nicht \u00fcber die Konzeptphase hinausgekommen. Inzwischen hat sich Frantisek an meine Seite gesellt und linst mir \u00fcber die Schulter.<\/p>\n<p>\u201cGeh, Frantisek\u201d, m\u00f6chte ich ihn verscheuchen, \u201cdas ist vertraulich.\u201d<\/p>\n<p>\u201cHaha, Magista\u201d, grient der Oberkellner, \u201cdreh kan Film, des san doch blo\u00df die Bierdeckelbuseranten.\u201d <\/p>\n<p>Ich seufze m\u00f6glichst demonstrativ. An dieser Stelle ist stets meine Kreativit\u00e4t gefordert. Vor meinem inneren Auge entsteht die Vorstellung eines vierzehng\u00e4ngigen Fr\u00fchst\u00fccks mit dem ich Frantisek besch\u00e4ftigen k\u00f6nnte, gleich einem hyperaktiven Teenager, den man vor eine Playstation setzt. In Wahrheit w\u00fcrde dieser perfide Plan jedoch lediglich zu Schwei\u00dfausbr\u00fcchen von Frau Magda in der K\u00fcche f\u00fchren und damit g\u00e4nzlich ins Leere laufen. Stattdessen sage ich: \u201cWie schaut\u2019s denn mit den Metrorechnungen vom M\u00e4rz aus?\u201d Im Normalfall reicht eine solch harmlose Frage aus, um Frantisek f\u00fcr mindestens f\u00fcnfzehn Minuten hinter die Schank zu vertreiben, um dort zum gef\u00fchlt vierten Mal die Biergl\u00e4ser zu polieren.&#160; Und mehr als diese f\u00fcnfzehn Minuten ben\u00f6tigt mein wacher Geist nicht, um selbst den aufw\u00e4ndigsten Papierkram zu erledigen. <\/p>\n<p>Danach ein Blick auf die Uhr: 9 Uhr 15 \u2013 ein Wahnsinn, wie die Zeit verfliegt, wenn man sie mit guter und vor allem wichtiger Arbeit zu f\u00fcllen vermag. Mein Blick sucht den von Frantisek, Worte brauchen wir keine, und zehn Sekunden sp\u00e4ter steht das erste Frischgezapfte des Tages vor mir.<\/p>\n<p>Ich hoffe, Ihnen, werter Schankberatungsaspirant, mit dieser schonungslosen Schilderung meines Berufsalltags ein f\u00fcr allemal die Flausen aus dem Kopf ausgetrieben zu haben. Falls Sie jedoch zu den ganz Unbelehrbaren geh\u00f6ren, also zu den ganz Abgebr\u00fchten und Ausgebufften, die sich von solchen Horrorgeschichten nicht von ihrer wahren Berufung abbringen lassen, dann nur zu. Tun Sie, was Sie auch lassen k\u00f6nnten. Blo\u00df eines noch: Salzgurken sollten Sie m\u00f6gen. Das w\u00e4re ganz wichtig \u2026<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auch wenn es Ihnen, werte Leserschaft meiner launigen Schilderungen so vorkommen mag, als w\u00e4re mein Alltag nichts anderes als ein einziger langer Sonntagnachmittag im Wurstelprater \u2013 aufregend und voller Salzgurken \u2013 ich darf Ihnen&#46;&#46;&#46;<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-240","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.alsbachprinzessin.at\/zwickel\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/240","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.alsbachprinzessin.at\/zwickel\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.alsbachprinzessin.at\/zwickel\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.alsbachprinzessin.at\/zwickel\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.alsbachprinzessin.at\/zwickel\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=240"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.alsbachprinzessin.at\/zwickel\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/240\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.alsbachprinzessin.at\/zwickel\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=240"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.alsbachprinzessin.at\/zwickel\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=240"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.alsbachprinzessin.at\/zwickel\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=240"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}