{"id":19,"date":"2011-03-23T23:45:24","date_gmt":"2011-03-23T22:45:24","guid":{"rendered":"http:\/\/www.oebwsv.at\/zwickel\/?p=19"},"modified":"2011-03-23T23:45:24","modified_gmt":"2011-03-23T22:45:24","slug":"peppi-schmalz-tuerkenbelagerung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.alsbachprinzessin.at\/zwickel\/2011\/03\/23\/peppi-schmalz-tuerkenbelagerung\/","title":{"rendered":"Peppi Schmalz &#8211; T\u00fcrkenbelagerung"},"content":{"rendered":"<p>Liebe Leser, wir k\u00f6nnen es nicht l\u00e4nger geheim halten: der Fr\u00fchling ist ausgebrochen, Schneegl\u00f6ckerl und M\u00e4rzenbecher wurden bereits in erh\u00f6hte Alarmbereitschaft versetzt, und, zum Entz\u00fccken ihres nichtswerten Autors, wagt es auch so mancher Vorstadtgastronom, versch\u00e4mt aber doch, Tische und Sessel zwecks Andeutung eines Schanigartens auf die Gehsteige zu r\u00e4umen. Jetzt hat diese bei allen ansonsten hochbeliebte Jahreszeit aber nicht nur Vorteile. Ein Haupt\u00fcbel des Fr\u00fchlings ist, dass pl\u00f6tzlich und mit den Autor fassungslos machender Breitenwirkung, das Spinnerte in die Menschenhirne einf\u00e4hrt, sprich: Fr\u00fchlingsgef\u00fchle, also jene Herzensregung, die &#8211; mag es meinethalben irgendwelchen olfaktorischen Lockstoffen in der guten Hernalser Luft geschuldet sein &#8211; die Leut deppert macht. Auch den Peppi Schmalz, der im Augenblick v\u00f6llig neben sich, und mit leuchtenden, stra\u00dfenbahnroten Herzerln in den Augen den Bezirk unsicher macht.<\/p>\n<p>Des Peppis Objekt der Begierde: Fatima! Ihres Zeichens versch\u00e4mte und sch\u00fcchterne Backwarenverk\u00e4uferin beim Merkur am Parhammerplatz &#8211; ein scheues Reh hinter Brotlaiben. Eines d\u00fcrfen sie mir glauben: in seinem ganzen Leben hat der Peppi keine derartigen Mengen an Semmeln, Laugenstangerln, Sesamweckerln oder Vollkornbrezeln gekauft, geschweige denn konsumiert. Und dies alles der Liebe wegen. Ob dieser Manie hat unser Peppi nat\u00fcrlich auch schon einiges an Aufsehen erregt, es f\u00e4llt nunmal auf, wenn einer wie der Peppi, t\u00e4glich an die zehn- bis fuffzehnmal in den Merkur reinspaziert, um, die vor Ort lagernden Biergebinde v\u00f6llig au\u00dfer acht lassend, schnurstracks zur Backwarentheke zu hecheln, und dann buchst\u00e4blich zig Minuten lang in tiefer, testosteronbedingter Verwirrung zu verharren: Bauernbrot oder Salzstangerl?<\/p>\n<p>An dieser Stelle sei erw\u00e4hnt, dass Fatima zwar von ihrer Art her lieblich, zart, scheu und ganz und gar entz\u00fcckend ist, ihr \u00c4u\u00dferes den unbedarften Beobachter jedoch nichts von diesen Eigenschaften ahnen l\u00e4sst. Oder anders formuliert: Walk\u00fcre auf t\u00fcrkisch. Aber man kann es sich ja niemals aussuchen, wo die Liebe hinf\u00e4llt, und wer wei\u00df: vielleicht ist es ja gerade dieses \u00dcberma\u00df an erotischer Nutzfl\u00e4che, \u00fcber das Fatima gebietet, das den Peppi so narrisch macht.<\/p>\n<p>Wie gesagt: die Leut reden schon \u00fcber den Peppi. Genauer gesagt, die anderen Merkurm\u00e4dels, und noch genauer gesagt: die Lydia, ihres Zeichens frisch angelernte Merkur-Regalbetreuerin (Nudeln und Naschwerk), mit einem unb\u00e4ndigen Ehrgeiz, m\u00f6glichst bald die Karriereleiter zu erklimmen, um dann hinter einer der zwanzig Merkurkassen Platz nehmen zu k\u00f6nnen.\u00a0 Einfach scannergeil. Und diesem Typus Mensch ist ja beinahe alles zuzutrauen. Auch, dass die gute Lydia nun den lieben langen Tag nichts anderes mehr zu tun hat, als Gott und die Welt, ob die das nun wollen oder nicht, vom Peppi und seiner Leidenschaft f\u00fcr Fatima vollzutratschen. Und wenn jemand so dahinter ist, fanatisch Stein um Stein in den Bezirksger\u00fcchteteich zu werfen, dann darf es nicht verwundern, dass das Wellen schl\u00e4gt.<\/p>\n<p>Und es waren genau diese Wellen, die gestern vormittag dann, schon zur kr\u00e4ftigen Brandung geworden, an den Gestaden vom Peppi Schmalz aufschlugen. Und zwar just in dem Moment, als jener eben wieder frischen Mutes den Merkur betreten wollte, um seinem Liebchen den ersten Besuch des Tages abzustatten. Leider kam der Peppi nicht mal durch die Eingangst\u00fcr, da verdunkelte sich der Himmel und Kollege Schmalz fand sich von jenen sechs Nachteilen umringt, die eine Beziehung &#8211; und sei sie auch noch so platonisch &#8211; zu einem jungfr\u00e4ulichen, semmelverkaufenden M\u00e4del aus der T\u00fcrkei eben so mit sich bringt: ein Vater, zwei Br\u00fcder, zwei Onkel und ein Cousin. Allesamt Familienmenschen, versteht sich. Und allesamt gut einen Kopf gr\u00f6\u00dfer als Peppi Schmalz.<\/p>\n<p>Gl\u00fccklicherweise gewannen in diesem Augenblick die, in jahrelanger Obdachlosigkeit antrainierten \u00dcberlebensinstinkte im Peppi die Oberhand \u00fcber das Fr\u00fchlingswischiwaschi, und anstatt sich mit den ihn umgebenden Herren auf einen wohl eher unkonstruktiven Diskurs einzulassen, tat er, was wohl jeder in dieser Situation getan h\u00e4tte. Er deutete blitzartig \u00fcber die n\u00e4chstbeste Schulter hinweg und schrie: &#8222;Gaddafi!&#8220; Und tats\u00e4chlich: die t\u00fcrkischen M\u00f6chtegernbodyguards wandten kurz die K\u00f6pfe um Ausschau zu halten nach jenem libyschen Tunichtgut, der im Augenblick, so war es wohl die feste \u00dcberzeugung der M\u00e4nner, bestimmt nichts besseres zu tun hat, als durch Hernals zu flanieren.<\/p>\n<p>Und diese drei Sekunden der vorherrschenden Verwirrung nutzte der Peppi, durchbrach den t\u00fcrkischen Belagerungsring und rannte los. Nat\u00fcrlich erkannten die solcherart Gefoppten recht schnell ihren Irrtum und nahmen umgehend die Verfolgung auf, Fatimas Br\u00fcder dabei sofort die Spitze der wilden Verfolgerhatz einnehmend. Aber so schnell kann einer gar nicht sein, als dass er einen in h\u00f6chste Fluchtbereitschaft versetzten Peppi Schmalz noch einzuholen imstande w\u00e4re. Der Fairness halber sei aber gesagt: es wurde knapp, verdammt knapp.<\/p>\n<p>Doch eines muss man dem Peppi lassen, er verf\u00fcgt exakt \u00fcber jene Art von Schlauheit, die einen Manne in solchen Situationen immer genau das richtige tun l\u00e4sst. Und das richtige war, schnurstracks Richtung Kalvarienberggasse zu schurln und wie ein Pfitschipfeil in allerletzter Sekunde in die dort malerisch gelegene Kalvarienbergkirche abzutauchen. &#8222;Asyl!&#8220;, schrie der Peppi, es war gerade Vormittagsmesse und f\u00fcnf pensionierte weibliche Augenpaare wandten sich ihm augenblicklich zu. Endlich passierte mal was G&#8217;scheites in der Kirche, denn immer nur daheim im TV &#8222;Sturm der Liebe&#8220; und Rosamunde Pilcher kann ja auch nix!<\/p>\n<p>Die t\u00fcrkische Verfolgermeute hielt jedoch inne, teils aus Respekt vor dem Gotteshaus, teils wohl aus Angst, sich beim Betreten desselben vielleicht mit irgendeinem aggressiven katholischen Virus anzustecken. Man beratschlagte kurz und heftig, und kam dann zum Schluss, dass es sich ohnedies nicht daf\u00fcr stehe und dass ein ordentlicher t\u00fcrkischer Gentleman diese Tageszeit\u00a0 wohl viel sinnvollerweise beim Barbier zubringen solle, anstatt vor einer Kirche auf so einen, wie den Peppi zu lauern. Und so zerstreuten sich die sechs braven T\u00fcrken wieder, jetzt nicht mehr ganz so Familienmenschen.<\/p>\n<p>Vom Peppi sei noch zu berichten, dass es nicht gewiss ist, ob er es sich verbessert hat. Augenblicklich jedenfalls, befindet er sich in der Aida am Elterleinplatz im Gewahrsam von f\u00fcnf betagten und dennoch resoluten Vorstadtwitwen, allesamt versehen mit einem \u00dcberma\u00df an Tagesfreizeit und Redebed\u00fcrfnis und wartet dort das Ende des Fr\u00fchlings ab.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Liebe Leser, wir k\u00f6nnen es nicht l\u00e4nger geheim halten: der Fr\u00fchling ist ausgebrochen, Schneegl\u00f6ckerl und M\u00e4rzenbecher wurden bereits in erh\u00f6hte Alarmbereitschaft versetzt, und, zum Entz\u00fccken ihres nichtswerten Autors, wagt es auch so mancher Vorstadtgastronom,&#46;&#46;&#46;<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[8],"tags":[4,5,6,7,9,10,11,3],"class_list":["post-19","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-gschichtln-aus-hernals","tag-aida","tag-elterleinplatz","tag-fatima","tag-fruhling","tag-peppi-schmalz","tag-turken","tag-turkenbelagerung","tag-zwickel"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.alsbachprinzessin.at\/zwickel\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/19","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.alsbachprinzessin.at\/zwickel\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.alsbachprinzessin.at\/zwickel\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.alsbachprinzessin.at\/zwickel\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.alsbachprinzessin.at\/zwickel\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=19"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.alsbachprinzessin.at\/zwickel\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/19\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.alsbachprinzessin.at\/zwickel\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=19"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.alsbachprinzessin.at\/zwickel\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=19"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.alsbachprinzessin.at\/zwickel\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=19"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}