{"id":1084,"date":"2019-12-16T14:00:17","date_gmt":"2019-12-16T12:00:17","guid":{"rendered":"http:\/\/www.alsbachprinzessin.at\/zwickel\/?p=1084"},"modified":"2019-12-17T20:13:53","modified_gmt":"2019-12-17T18:13:53","slug":"der-fremdscheisser","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.alsbachprinzessin.at\/zwickel\/2019\/12\/16\/der-fremdscheisser\/","title":{"rendered":"Der Fremdschei\u00dfer"},"content":{"rendered":"\n<p>Es muss jetzt einmal ganz klar und in aller \u00d6ffentlichkeit ausgesprochen werden: O.W. Fleischer ist ein Parasit \u2013 ein Schei\u00df-Parasit. Kein Schei\u00dfparasit, sondern ein Schei\u00df-Parasit, Sie haben schon richtig gelesen. Der Kollege von den Stellenanzeigen sitzt einen Stock unter mir und f\u00e4llt seit einigen Wochen durch r\u00fccksichtslosen Schei\u00df-Tourismus unangenehm auf. Soll hei\u00dfen: Er kommt zum Schei\u00dfen regelm\u00e4\u00dfig und unrechtm\u00e4\u00dfig einen Stock h\u00f6her und nimmt unsere Toiletten in Beschlag, ja ich m\u00f6chte fast sagen: Er besetzt sie in einem feindlichen Akt, und das ohne Kriegserkl\u00e4rung. Und mit \u201eunsere Toiletten\u201c meine ich auch \u201eunsere Toiletten\u201c \u2013 n\u00e4mlich jene Toiletten, die den Mitarbeitern im vierten Obergescho\u00df durch Gottes unermesslichen Ratschluss \u2013 quasi gleich einem unumst\u00f6\u00dflichen Naturgesetz \u2013 zugesprochen sind.<\/p>\n\n\n\n<p>Lassen Sie mich die prek\u00e4re Situation unserer sanit\u00e4ren\nAnlagen in der Zentrale des \u201eHernalser Morgenpostillons\u201c kurz erl\u00e4utern, damit\nSie ein besseres Gef\u00fchl f\u00fcr meinen allumfassenden, O.W. Fleischer betreffenden\nGroll, bekommen.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Grunde l\u00e4sst sich der Status Quo folgenderma\u00dfen recht anschaulich umschei\u2026\u00e4h umrei\u00dfen: Zu viele Mitarbeiter f\u00fcr zu wenige Toiletten. Punkt. Ein Faktum, mit dem wir seit Anbeginn der Welt beim \u201eHernalser Morgenpostillon\u201c konfrontiert sind. Gleichzeitig werden die Essensgutscheine erh\u00f6ht. Das impliziert: \u201eMehr zum Fressen, aber gleichbleibend wenig Platz zum Schei\u00dfen\u201c. Diese Logik soll ein Ottonormalredakteur einmal verstehen! Jedoch \u2013 es nimmt uns niemand ernst. Wer noch dazu die Qualit\u00e4t der in unserer Kantine gereichten Mittagsmen\u00fcs kennt, wird sich nicht wundern, dass um die Mittagszeit, kurz nach 10:30, wilde Revierk\u00e4mpfe in den verfliesten Nebenr\u00e4umen ausbrechen. Dieser stete Kampf um einen Schei\u00df-Slot ist zu einem regelrechten Krieg ausgeartet, der jedwede ansatzweise aufkeimende Kollegialit\u00e4t im Keim erstickt. Beim Platz ums Porzellan ist sich jeder selbst der N\u00e4chste.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch das ist nicht alles: W\u00e4re die Lage nicht ohnehin schon dramatisch\ngenug, wurde von der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung unseres Verlagshauses die Zusammenlegung kleinerer\nB\u00fcros in Gro\u00dfraumb\u00fcros angeordnet. Unter dem klingenden Slogan \u201eModerne Welt\ndes Schreibens\u201c sind nun noch mehr Artikellegehennen auf engerem Raum zusammengepfercht,\nwas die Toilettensituation noch einmal zu unseren Ungunsten versch\u00e4rft. <\/p>\n\n\n\n<p>Zur\u00fcck nun zu meinem asozialen \u201eKollegen\u201c O.W. Fleischer.\nIch verwende jetzt, w\u00e4hrend ich mich langsam in eine ihn betreffende Hasstirade\nschreibe, bewusst das Attribut \u201easozial\u201c, weil es seine verkorkste\nPers\u00f6nlichkeit, seinen miesen Ellenbogen-Charakter am besten beschreibt. Dieser\nMensch hat nichts Gutes an sich, soviel kann ich sagen.<\/p>\n\n\n\n<p>O.W. Fleischer kommt aus heiterem Himmel. Er taucht immer dann auf, wenn man sehns\u00fcchtig seine Kaldaunen auswinden m\u00f6chte, weil man den Tagesteller II schon wieder nicht vertragen hat. Er kommt immer dann \u00fcber einen, wenn man mit wilden Bauchkr\u00e4mpfen in seinem Drehstuhl vor dem elektrisch h\u00f6henverstellbaren Tisch verspreizt ist. Immer dann, wenn man nicht wei\u00df, wie man die paar Meter zum Herrenklo \u00fcberwindet \u2013 mit zusammengekniffenen Arschbacken, auf Zehenspitzen wie eine Ballerina t\u00e4nzelnd, um die Contenance nicht zu verlieren. Da lurt man vorsichtig um die Ecke, h\u00f6rt auf das erl\u00f6sende Ger\u00e4usch des Papierspenders hinter den Klomauern, der besagt: Da hat endlich einer ausgeschissen, und \u201eJetzt bin aber ich dran!\u201c. Ich st\u00fcrme durch die T\u00fcr: ROT. \u201eNa macht nichts, bissl halt ich es noch aus!\u201c. F\u00fcnf Minuten sp\u00e4ter: \u201eAber jetzt\u2026!\u201c. Nein, jetzt auch nicht: ROT! Derart aufs Neue gedem\u00fctigt, zieht man alibihalber ein Papier aus dem Papierhandtuchspender, nur um allen zu signalisieren: \u201eAufs Klo? Wieso? Ich wollte nicht aufs Klo, ich brauche nur ein Papierhandtuch!\u201c. Mit dem wische ich mir dann mal den Schwei\u00df von der Stirn. Das n\u00e4chste Mal: ROT. Und wieder ROT, ROT, ROT, ich stehe unaufh\u00f6rlich vor verschlossener T\u00fcre.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Man muss das wohl planm\u00e4\u00dfiger angehen!&#8220;, denke ich, und postiere mich unauff\u00e4llig im K\u00fcchenbereich, die Klot\u00fcre immer im Blick. Verstohlen scanne ich meine Umgebung \u2013 damit mir jetzt ja niemand dreinpfuscht. Ich bin wie eine Drohne, der nichts entgeht. Im Ged\u00e4rm rumort es schon bedenklich. Niemand da \u2013 der Papierspender geht: Einmal, zweimal, dreimal. Ein viertes Mal, ein Schn\u00e4uzen, das in jenes vierte Papiertuch geht, die T\u00fcre wird aufgerissen, ich sprinte los und kann man Gl\u00fcck kaum fassen, schon bin ich drei, zwei, einen Meter von der T\u00fcre entfernt, die doch nicht einmal richtig ins Schloss gefallen ist, da r\u00e4umt mich ein Ellenbogen aus dem Weg: \u201eTschuldigung, ich muss\u2026!\u201c. Aus meinem verdutzten Anger\u00fchrtsein heraus \u2013 einer Mischung aus Dem\u00fctigung, Zorn, Hass und Verzweiflung \u2013 nehme ich nur noch den hochroten Kopf von O.W. Fleischer wahr. Es macht \u201eRumms\u201c und \u201eKlack\u201c, es wird ROT, ich h\u00f6re das energische Klirren einer G\u00fcrtelschnalle, die auf Fliesen schl\u00e4gt, dann nur noch einen erleichternden Seufzer hinter der Kabine des Herrenklos. Ich stehe da wie der Arsch vom Dienst.<\/p>\n\n\n\n<p>In diesem Moment wird mir klar, was es mit dem Begriff: \u201eSeine\nNotdurft verrichten\u201c auf sich hat: \u201eIch durft\u2018 in der Not nicht verrichten,\nweil der Tourist O.W. Fleischer stockwerksfremd schei\u00dfen geht!\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Wut steigt mir den Wanst hoch und entl\u00e4dt sich in wilden Hasstiraden (die ich mir allerdings nur denke) und roten Stressflecken im ganzen Gesicht.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Geht&#8217;s alle schei\u00dfen!&#8220; entf\u00e4hrt es mir. &#8222;W\u00fcrd&#8216; ich ja gern&#8220;, maunzt irgendwer versch\u00fcchtert aus dem Gro\u00dfraumb\u00fcro&#8230;.<\/p>\n\n\n\n<p>Mehrere Wochen geht das so. O.W. Fleischer ist immer dann\nzur Stelle, wenn das Herrenklo gerade frei ist, und ich es dringend br\u00e4uchte. Nie\nist es ein anderer Kollege, nie ist es jemand aus dem vierten Stockwerk. Immer\nist es dieser gemeine O.W. Fleischer aus dem dritten Stock. Anstatt einer\nEntschuldigung sehe ich dann auch noch sein schafsdummes Gesicht, wenn er sich nach\ngef\u00fchlt f\u00fcnfundvierzig Minuten endlich von MEINEM Klo schleicht und so tut, als\nw\u00e4re es das normalste von der Welt, hier bei uns am Stockwerk einzukehren.<\/p>\n\n\n\n<p>In der Adventszeit macht pl\u00f6tzlich ein Ger\u00fccht die Runde:\nDer Chefredakteur, im wahrsten Sinne des Wortes angepisst, hat sich um teures\nGeld eine private, nur ihm zug\u00e4ngliche Luxustoilette im zw\u00f6lften Stock\neinrichten lassen. Der CFO hat daf\u00fcr ein Sonderbudget freigesch\u00e4lt. Angeblich\ngeht sogar ein eigens installierter Lift direkt von seinem B\u00fcro (das in etwa\ndie H\u00e4lfte unseres Gro\u00dfraumb\u00fcros misst, auf dem ich mit siebzig anderen\nKollegen zusammengepfercht bin) in diese R\u00e4umlichkeiten.<\/p>\n\n\n\n<p>In den Bierpausen schwelge ich mit meinen Kollegen vom\nvierten Stock in wahnhaften Fiebertr\u00e4umen: <\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDa soll es den ganzen Tag Fahrstuhlmusik spielen\u201c, sagt der\nfette Reimann.<\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;\u201eUnd\nFrotteehandt\u00fccher, die zweimal t\u00e4glich gewechselt werden! Stellt euch das mal\nvor\u201c, f\u00fcge ich sehnsuchtsvoll hinzu.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eToilettenpapier mit vier Lagen! Einmal dort oben mobile Working machen\u2026\u201c sagt ein anderer Kollege, dessen Namen mir gerade nicht einf\u00e4llt. Der Namenlose verdreht woll\u00fcstig die Augen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir st\u00f6hnen vor Verz\u00fcckung und lassen uns jeder noch ein \u201eVillacher\u201c\naus dem Alkomaten.<\/p>\n\n\n\n<p>Vorne f\u00e4llt die Eingangst\u00fcre wuchtig ins Schloss: O.W.\nFleischer reitet schon wieder eine Attacke auf unsere Toilette\u2026<\/p>\n\n\n\n<p>Zwei Tage sp\u00e4ter spielt mir der Zufall in die H\u00e4nde: Ich finde in der Tiefgarage einen kleinen Schl\u00fcssel, der mit \u201eWC\u201c beschriftet ist. In mir steigt eine Ahnung hoch. Ich fahre in den zw\u00f6lften Stock. Nach l\u00e4ngerem Entlangtasten an den Trockenbauw\u00e4nden finde ich die Fuge, ein leichter Fingerdruck gibt das kleine Schloss frei, zu dem der Schl\u00fcssel aus der Tiefgarage passt, und voil\u00e0, ich bin im Toilettenheiligtum des Chefredakteurs. Das Geheimklo des Chefs ist eine Wunderwelt moderner Sanit\u00e4rtechnik, quasi das Disney-World des Toilettenconnaisseurs von Welt: Zarte, charmante Beleuchtung setzt die von wei\u00dfem Alabaster und cremefarbenen Marmor gepr\u00e4gte Atmosph\u00e4re wohlig in Szene. Ein linder Duft von frischen Wiesenkr\u00e4utern, Vanille und Brombeeren umspielt keck meine Nase. Ich stelle vergn\u00fcglich fest, dass die goldenen Wasserh\u00e4hne sich harmonisch ins Gesamtbild f\u00fcgen und keineswegs zu protzig wirken. Den DAB-Tuner auf den Klorollenhalterungen in jeder der f\u00fcnf Kabinen ist ein gelungener Gag. Die eingebaute Klobrillenwaschanlage ist funktional und dient der Hygiene zugleich. Der 55\u201c OLED TV, an dem eine PS4 h\u00e4ngt, rundet den positiven Gesamteindruck ab. &#8222;Hier schei\u00dft man wie Gott wie in Frankreich!&#8220;, entf\u00e4hrt es mir spontan.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich sperre die komplette Anlage von innen ab und habe nicht\nvor, diese heil\u2019gen Hallen so schnell zu verlassen. <\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDieses W\u00fcrschtl O.W. Fleischer, soll er doch aufs Proletenklo\ngehen. Peinlich!\u201c, sage ich zu mir selbst und lache einmal diabolisch auf, weil\nich es mir schuldig bin, und das l\u00e4ngst mal f\u00e4llig war.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein paar Minuten sp\u00e4ter h\u00e4mmert ein aufgeregter Chefredakteur\nan die Au\u00dfent\u00fcre:<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eVerdammt nochmal, wer schei\u00dft denn da auf meinem Klo?\u201c,\nschreit er. Man m\u00f6cht\u2019 glauben, er erliegt gleich einem Schlaganfall, weil er\nsich so gar nicht mehr beruhigen kann.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eOh weh!\u201c, fl\u00fcstere ich.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDas hab\u2018 ich geh\u00f6rt, Fleischer! Oh weh, Fleischer! F\u00fcr\ndeppert brauchens mich nicht verkaufen!\u201c, br\u00fcllt der Chefredakteur.<\/p>\n\n\n\n<p>Und:<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eIch geh\u2018 jetzt runter zu Ihnen in den dritten Stock aufs WC.\nWeil Fremdschei\u00dfen kann ich schon lange! Aber Gnade Ihnen Gott, wenn Sie fertig\nsind. Sie k\u00f6nnen sich nachher gleich Ihre Papiere bei mir abholen!\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>O.W. Fleischer ist endlich im Arsch daheim \u2013 er hat f\u00fcrs\nerste ausgeschissen. Die Klokriege im \u201eHernalser Morgenpostillon\u201c aber gehen ohne\nihn munter weiter\u2026<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es muss jetzt einmal ganz klar und in aller \u00d6ffentlichkeit ausgesprochen werden: O.W. Fleischer ist ein Parasit \u2013 ein Schei\u00df-Parasit. Kein Schei\u00dfparasit, sondern ein Schei\u00df-Parasit, Sie haben schon richtig gelesen. 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