{"id":1022,"date":"2019-05-29T15:40:58","date_gmt":"2019-05-29T13:40:58","guid":{"rendered":"http:\/\/www.alsbachprinzessin.at\/zwickel\/?p=1022"},"modified":"2019-06-12T15:20:36","modified_gmt":"2019-06-12T13:20:36","slug":"ganz-egal-ob-schwarz-ob-weiss-6","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.alsbachprinzessin.at\/zwickel\/2019\/05\/29\/ganz-egal-ob-schwarz-ob-weiss-6\/","title":{"rendered":"Ganz egal, ob Schwarz, ob Wei\u00df (6)"},"content":{"rendered":"<p><em><a href=\"https:\/\/www.alsbachprinzessin.at\/zwickel\/wp-content\/uploads\/val-vesa-1609445-unsplash.jpg\" data-rel=\"lightbox-image-0\" data-rl_title=\"\" data-rl_caption=\"\" title=\"\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-1047\" src=\"https:\/\/www.alsbachprinzessin.at\/zwickel\/wp-content\/uploads\/val-vesa-1609445-unsplash-300x200.jpg\" alt=\"\" width=\"536\" height=\"357\" srcset=\"https:\/\/www.alsbachprinzessin.at\/zwickel\/wp-content\/uploads\/val-vesa-1609445-unsplash-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.alsbachprinzessin.at\/zwickel\/wp-content\/uploads\/val-vesa-1609445-unsplash-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.alsbachprinzessin.at\/zwickel\/wp-content\/uploads\/val-vesa-1609445-unsplash-1024x683.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 536px) 100vw, 536px\" \/><\/a>Die Ehre alter M\u00e4nner<\/em><\/p>\n<p>In der Nacht schlafe ich wenig. Im Angesicht der bevorstehenden Schlacht klopft mein Herz bis zum Hals. Die Kapazunder hatten sich gestern noch mit den Jugos auf die Bedingungen des Kampfes geeinigt. Ein Mannschaftswettkampf, sechs gegen sechs, die Gewinnermannschaft erwirbt sich auf alle Zeit das Recht auf das gro\u00dfe Freiluftschach. Bei Unentschieden wird man weitersehen.<\/p>\n<p>Im Gegensatz zu den Kapazundern f\u00e4llt es mir schwer, so etwas wie Grant oder gar \u00c4rger wider die Jugoslawen zu empfinden. Die wirken allesamt ziemlich entspannt, und ich glaube, dass ihnen gar nicht bewusst ist, dass sie hier im Donaupark in feindliches Territorium vorgesto\u00dfen sind. Sie sind blo\u00df hier, um eine gute Zeit zu haben.<\/p>\n<p>Einen der Jugos, die anderen nennen ihn Branko, kenne ich sogar. Mit meiner Oma war ich \u00f6fters am Schlingermarkt gewesen. Dort hatte Branko einen Obst- und Gem\u00fcsestand, bei dem die Oma immer gerne eingekauft hatte. Ihre Worte habe ich noch im Kopf. \u201eDie Tschuschn sind nicht so geizig, wie die Hiesigen\u201c, sagte sie immer, wenn ihr Branko mal wieder eine Extrazwiebel in den Korb gelegt oder mir eine Mandarine geschenkt hatte.<\/p>\n<p>Als sich die beiden Mannschaften am Vormittag im Donaupark einfinden, werden Picknicktische von Taubenschei\u00dfe gereinigt, Schachbretter aufgebaut, und Spielsteine s\u00e4uberlich in Stellung gebracht. Genau wie bei den Kapazundern ist der Umgang der Jugos mit dem Spielmaterial von einer tief verinnerlichten Eleganz, die vom jahrzehntelangen und h\u00e4ufigen Umgang mit Brett und Figuren herr\u00fchrt. Es hat etwas Magisches, den alten Herren dabei zuzusehen, wie sie in Blitzgeschwindigkeit und ohne gro\u00dfartig dar\u00fcber nachzudenken, die Figuren auf die ihnen angestammten Pl\u00e4tze platzieren.<\/p>\n<p>Der Professor ist eine nat\u00fcrliche F\u00fchrungspers\u00f6nlichkeit und keiner der Kapazunder zweifelt auch nur eine Sekunde daran, dass er unser Mannschaftsf\u00fchrer sein muss. Bevor es losgeht, ziehen sich beide Parteien noch ein allerletztes Mal zur\u00fcck. Der Liebling macht Meldung: \u201eHerr Professor, alle Lieblinge vollz\u00e4hlig angetreten!\u201c Der Professor l\u00e4chelt: \u201eSehr sch\u00f6n.\u201c Er wirft einen, wie es mir vorkommt, bedeutsamen Blick in die Runde. \u201eMeine Herren, mit den jugoslawischen Kollegen ist nicht zu spa\u00dfen. Ich erwarte mir, dass sich jeder an das h\u00e4lt, was wir gestern besprochen haben!\u201c Grimmige Blicke und allgemeines Nicken, au\u00dfer von mir. Siedendhei\u00df wird mir bewusst, dass ich keine Ahnung habe, was gestern besprochen wurde. Zu mir hat niemand etwas gesagt, mit mir hat niemand geredet! Der Professor sieht meinen hochroten Kopf, klopft mir aufmunternd auf die Schulter und sagt: \u201eAlles gut.\u201c<\/p>\n<p>Die Mannschaften nehmen die Pl\u00e4tze ein. Ich werde vom Professor an das letzte Brett gef\u00fchrt und mit einem tr\u00f6stlichen \u201eToi, toi, toi\u201c hingesetzt. Das letzte Brett, so lerne ich jetzt, ist in Mannschaftsk\u00e4mpfen immer den schw\u00e4chsten Spielern vorbehalten. Ich finde das in diesem Augenblick nur recht und billig. Am ersten Brett (das Meisterbrett) nimmt der Professor selbst Platz, danach folgen der Tankwart, der lange B\u00f6hm und der Husterer. Neben mir l\u00e4sst sich \u00e4chzend der Liebling nieder. \u201eNa, schauen wir mal\u201c, keucht er.<\/p>\n<p>Mein Gegner ist ein gehstockbewehrtes M\u00e4nnlein, d\u00fcrr und kleiner selbst als ich, gegen das sich auch der Liebling wie ein junger H\u00fcpfer ausnimmt. Ich schaue zu, wie der Alte zittrig ein allerletztes Mal seine Figuren zurechtr\u00fcckt und verdrehe innerlich die Augen. Nat\u00fcrlich habe ich es hier am letzten Brett mit einem Niemand zu tun, einem Nichtsk\u00f6nner, der, genau wie ich, nur als Kanonenfutter herhalten muss.<\/p>\n<p>Das M\u00e4nnlein h\u00e4lt mir pl\u00f6tzlich seine d\u00fcrre Hand entgegen. Zuerst bin ich verwirrt \u2013 m\u00f6chte er sich verabschieden? Dann sehe ich, dass an allen anderen Brettern ebenfalls H\u00e4nde gesch\u00fcttelt werden, eine Begr\u00fc\u00dfung, ein stummes \u201a<em>auf ein gutes Spiel<\/em>\u2018. So ergreife ich die mir angebotene Hand des Gegners. Sie ist eiskalt. Eine schreckliche Sekunde lang bin ich versucht, so fest zuzudr\u00fccken, wie ich nur kann, aber der Moment verfliegt wieder.<\/p>\n<p>Und noch etwas ist neu: es wird nicht gesprochen. Kein Scherzwort, keine Neckerei, kein Geh\u00e4nsel ist zu h\u00f6ren. Die Zeit der Bonmots ist vorbei und alle br\u00fcten schweigend \u00fcber ihren Stellungen.<\/p>\n<p>Es hat begonnen.<\/p>\n<p class=\"western\"><em>Fortsetzung folgt<\/em><\/p>\n<p class=\"western\"><a href=\"https:\/\/www.alsbachprinzessin.at\/zwickel\/2019\/04\/26\/ganz-egal-ob-schwarz-ob-weiss-1\/\">Teil 1: Tischtennispensionisten<\/a><\/p>\n<p class=\"western\"><a href=\"https:\/\/www.alsbachprinzessin.at\/zwickel\/2019\/05\/03\/ganz-egal-ob-schwarz-ob-weiss-2\/\">Teil 2: Ein Hund brunzt<\/a><\/p>\n<p class=\"western\"><a href=\"https:\/\/www.alsbachprinzessin.at\/zwickel\/2019\/05\/10\/ganz-egal-ob-schwarz-ob-weiss-3\/\">Teil 3: Der Unber\u00fchrbare<\/a><\/p>\n<p class=\"western\"><a href=\"https:\/\/www.alsbachprinzessin.at\/zwickel\/2019\/05\/17\/ganz-egal-ob-schwarz-ob-weiss-4\/\">Teil 4: Ein Liebling sein<\/a><\/p>\n<p class=\"western\"><a href=\"https:\/\/www.alsbachprinzessin.at\/zwickel\/2019\/05\/24\/ganz-egal-ob-schwarz-ob-weiss-5\/\">Teil 5: Gefahr aus dem S\u00fcden<\/a><\/p>\n<p class=\"western\"><a href=\"https:\/\/www.alsbachprinzessin.at\/zwickel\/2019\/05\/29\/ganz-egal-ob-schwarz-ob-weiss-6\/\">Teil 6: Die Ehre alter M\u00e4nner<\/a><\/p>\n<p class=\"western\"><a href=\"https:\/\/www.alsbachprinzessin.at\/zwickel\/2019\/06\/10\/ganz-egal-ob-schwarz-ob-weiss-7\/\">Teil 7: Das Slibowitzgambit<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Ehre alter M\u00e4nner In der Nacht schlafe ich wenig. 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