{"id":1000,"date":"2019-05-03T07:24:02","date_gmt":"2019-05-03T05:24:02","guid":{"rendered":"http:\/\/www.alsbachprinzessin.at\/zwickel\/?p=1000"},"modified":"2019-06-12T15:17:05","modified_gmt":"2019-06-12T13:17:05","slug":"ganz-egal-ob-schwarz-ob-weiss-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.alsbachprinzessin.at\/zwickel\/2019\/05\/03\/ganz-egal-ob-schwarz-ob-weiss-2\/","title":{"rendered":"Ganz egal, ob Schwarz, ob Wei\u00df (2)"},"content":{"rendered":"<p><em><a href=\"https:\/\/www.alsbachprinzessin.at\/zwickel\/wp-content\/uploads\/val-vesa-1609445-unsplash.jpg\" data-rel=\"lightbox-image-0\" data-rl_title=\"\" data-rl_caption=\"\" title=\"\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-1047\" src=\"https:\/\/www.alsbachprinzessin.at\/zwickel\/wp-content\/uploads\/val-vesa-1609445-unsplash-300x200.jpg\" alt=\"\" width=\"524\" height=\"349\" srcset=\"https:\/\/www.alsbachprinzessin.at\/zwickel\/wp-content\/uploads\/val-vesa-1609445-unsplash-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.alsbachprinzessin.at\/zwickel\/wp-content\/uploads\/val-vesa-1609445-unsplash-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.alsbachprinzessin.at\/zwickel\/wp-content\/uploads\/val-vesa-1609445-unsplash-1024x683.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 524px) 100vw, 524px\" \/><\/a>2. Ein Hund brunzt<\/em><\/p>\n<p>Lumpi hat seinem Vater eine Packung Schnapskarten gefladert. Die braucht er, um unsere Fahrr\u00e4der aufzufrisieren. Mit jeder Menge Tixo werden die Karten derart am Rahmen befestigt, dass sie beim Fahren \u00fcber die Speichen knattern. So h\u00f6ren uns die Tischtennispensionisten schon von weitem, wenn wir uns unserer neugewonnenen Enklave n\u00e4hern. Lumpi und ich sind z\u00e4h geworden. Das t\u00e4gliche Hin- und Hergewusel am Tischtennistisch tut unseren K\u00f6rpern gut, und das st\u00e4ndige Verlieren bringt uns mehr bei, als jeder Religionsunterricht. Und wir werden besser. Aus den anf\u00e4nglichen 21 zu 2 und 21 zu 5 werden bald 21 zu 17, 21 zu 19, oder gar ein ehrenhaftes 25 zu 23.<\/p>\n<p>Eines Tages ist es dann so weit und wir ziehen im Doppel gegen das Ehepaar Fradinger (Willi und Gerlinde) mit 21 zu 16 vom Leder. Nach dem siegreichen Schmetterball, den Lumpi pr\u00e4zise auf die Linie knallt, schauen wir uns f\u00fcnf Sekunden lang sprachlos an. Es ist nicht nur das Adrenalin, das durch unsere K\u00f6rper jagt, sondern auch die Erkenntnis, dass wir jetzt hochoffiziell die j\u00fcngsten Tischtennispensionisten der Welt sind, die uns Tr\u00e4nen in die Augen treibt. Zur Feier des Tages opfern wir eine halbe Stunde, um im n\u00e4chstgelegenen Konsum einen riesigen Marmorgugelhupf zu organisieren, den wir uns mit den Fradingers teilen, und das Leben ist richtig gut. Jedenfalls eine Woche lang, dann \u00e4ndert sich alles.<\/p>\n<p>Die erste Augustwoche. Lumpi und ich sind sp\u00e4t dran, um halb neun sind wir mit Willi und Gerlinde zu einer Revanche f\u00fcr eine superbittere Niederlage vom Vortag verabredet. Im Herzen tragen wir Rache, denn Gerlinde hatte gestern noch \u00fcber H\u00fcftschmerzen gejammert. Und wir sind zwar die j\u00fcngsten Tischtennispensionisten, aber wir sind auch kleine, stolze und garstige M\u00e4nner, und damit nachgerade verpflichtet, jedes noch so kleine Wehwehchen des Gegners gnadenlos auszunutzen. In Geschwaderformation knattern wir von den Strandb\u00e4dern kommend Richtung Tischtennis. Unz\u00e4hlige Rasensprenger haben die Luft im Park frisch gemacht, erneut droht ein Tag mit Perfektion.<\/p>\n<p>Dann, wie aus dem Nichts, zerfetzt ein w\u00fctendes Bellen und Kl\u00e4ffen und Heulen die Idylle, lauter noch als unser eigenes Schnapskartenstakkato. Ich erschrecke mich f\u00fcrchterlich und verrei\u00dfe den Lenker. Gerade noch so bekomme ich eine Vollbremsung hin, ohne mich auf den Asphalt zu legen. Davon hat Lumpi aber wenig, der ungespitzt in meinen Drahtesel hineindonnert. \u201eDu Trottel &#8230;\u201c, setzt Lumpi an, dann sieht er, was ich sehe. Der Hund ist winzig. Ein Zwergrattler, wie es sie in Wien wohl hunderttausendfach gibt, aber sein Bellen passt nicht zu seiner Statur. Sein Bellen ist episch, und mir f\u00e4llt die Weisheit meiner Oma ein, der zufolge es immer die Kleinsten sind, die die Gosche am weitesten aufrei\u00dfen.<\/p>\n<p>Der K\u00f6ter liegt, nein \u2013 er thront, zu F\u00fc\u00dfen eines \u2013 wie k\u00f6nnte es an einem Montagvormittag im Donaupark anders sein \u2013 Pensionisten und bewacht die ganze Welt. In diesem Fall besteht die Welt aber blo\u00df aus einem Freiluftschach. Eine dieser kinderzimmergro\u00dfen Installationen mit riesigen Schachfiguren. Die Dame geht mir locker bis zum Bauchnabel. Sowohl der Hundebesitzer, als auch der faltige Lebensk\u00fcnstler, der ihm gegen\u00fcber, auf eine Parkbank gefl\u00e4zt, \u00fcber der Stellung br\u00fctet, ignorieren das sie umgebende Universum (einen sehr lauten Hund, zwei sehr d\u00e4mlich dreinschauende Teenager) gr\u00fcndlich. Insgesamt \u00fcbt das ganze Hund-Schach-Szenario eine sonderbare Faszination auf mich aus. Der Hundebesitzer macht einen Zug \u2013 fr\u00f6hliches Schwanzwedeln; der Gegner macht einen Zug \u2013 w\u00fctendes Bellen, \u00e4rgerlich k\u00f6nnte man meinen. So geht es hin und her, und Lumpi und ich sind von dem Schauspiel v\u00f6llig gebannt.<\/p>\n<p>Schlie\u00dflich ein Aufruhr in Zeitlupe. Der Gegner vom Hundemann erhebt sich langsam von seiner Bank, schnappt sich einen seiner T\u00fcrme, schiebt ihn quer \u00fcber das riesige Schachbrett und verk\u00fcndet: \u201eSchachmatt!\u201c Und Flocki? Anstatt zu kl\u00e4ffen und Radau zu schlagen, schn\u00fcffelt er sich zum K\u00f6nig seines Herrchens durch, leckt einmal, zweimal an der Figur. Dann hebt er das Bein und tut, was Hunde eben tun. \u201eSogar der Hund wei\u00df, was du f\u00fcr einen Topfen zusammenspielst!\u201c, l\u00e4sst der Gegner vom Hundemann s\u00fcffisant vom Stapel. \u201eRevanche?\u201c, fragt der Hundemann seelenruhig und putzt sich mit einem riesigen Stofftaschentuch die Krankenkassenbrille. \u201eSowieso!\u201c.<\/p>\n<p>Die Figuren werden neu in Stellung gebracht. Weder das Lackerl am Schachbrett noch der angebrunzte Schachk\u00f6nig st\u00f6ren irgendjemanden.<\/p>\n<p class=\"western\"><em>Fortsetzung folgt<\/em><\/p>\n<p class=\"western\"><a href=\"https:\/\/www.alsbachprinzessin.at\/zwickel\/2019\/04\/26\/ganz-egal-ob-schwarz-ob-weiss-1\/\">Teil 1: Tischtennispensionisten<\/a><\/p>\n<p class=\"western\"><a href=\"https:\/\/www.alsbachprinzessin.at\/zwickel\/2019\/05\/03\/ganz-egal-ob-schwarz-ob-weiss-2\/\">Teil 2: Ein Hund brunzt<\/a><\/p>\n<p class=\"western\"><a href=\"https:\/\/www.alsbachprinzessin.at\/zwickel\/2019\/05\/10\/ganz-egal-ob-schwarz-ob-weiss-3\/\">Teil 3: Der Unber\u00fchrbare<\/a><\/p>\n<p class=\"western\"><a href=\"https:\/\/www.alsbachprinzessin.at\/zwickel\/2019\/05\/17\/ganz-egal-ob-schwarz-ob-weiss-4\/\">Teil 4: Ein Liebling sein<\/a><\/p>\n<p class=\"western\"><a href=\"https:\/\/www.alsbachprinzessin.at\/zwickel\/2019\/05\/24\/ganz-egal-ob-schwarz-ob-weiss-5\/\">Teil 5: Gefahr aus dem S\u00fcden<\/a><\/p>\n<p class=\"western\"><a href=\"https:\/\/www.alsbachprinzessin.at\/zwickel\/2019\/05\/29\/ganz-egal-ob-schwarz-ob-weiss-6\/\">Teil 6: Die Ehre alter M\u00e4nner<\/a><\/p>\n<p class=\"western\"><a href=\"https:\/\/www.alsbachprinzessin.at\/zwickel\/2019\/06\/10\/ganz-egal-ob-schwarz-ob-weiss-7\/\">Teil 7: Das Slibowitzgambit<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>2. Ein Hund brunzt Lumpi hat seinem Vater eine Packung Schnapskarten gefladert. Die braucht er, um unsere Fahrr\u00e4der aufzufrisieren. 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