Teddybär

Ein lauer Sonntagnachmittag. Freundlich blinzelt die Sonne durch das geöffnete Fenster und ich bin eins mit meiner Fernsehcouch, die ich a) um nachzudenken und mir dabei b) das Formel-1-Rennen reinzupfeifen vereinnahmt habe. Beides gleichzeitig ist anstrengend, so anstrengend, dass es nicht lange dauert bis meine Äuglein schwer werden und ich einschlafe …

*WUMMMP*

Ich schrecke auf. Es sind zwei Dinge, die mich in diesem schlaftrunkenen Augenblick aufs Äußerste verwirren. Ding eins: im Fernsehen läuft nicht mehr Autorennen. Stattdessen zeigt man eine nicht enden wollende Zeitlupenaufnahme eines Fußballspiels. Ich blinzle, einmal, zweimal, ehe ich begreife: das ist keine Zeitlupe, sondern die Live-Übertragung von Admira gegen Rapid. Soweit, so gut.

Ding zwei: ein Stein. Ja, genau: ein Stein. Der Stein hat es sich auf dem Boden, gleich unterhalb des offenen Fensters gemütlich gemacht. Seine Herkunft ist schleierhaft. Endlich erreichen meine Hirnwindungen Betriebstemperatur. Ich schlussfolgere: jemand hat mir einen Stein durchs Fenster geworfen! Ich stehe auf, schaue hinaus auf die Gasse, keine Menschenseele zu entdecken. Nicht verwunderlich, bei meiner Reaktionsgeschwindigkeit hätte ein komplettes Panzerregiment auffahren und wieder verschwinden können.

Der Stein ist kein bloßer Stein. Er ist halb in etwas eingewickelt und verschnürt, das sich bei näherer Untersuchung als die zerknitterte Fotografie eines Teddybären, eines flauschigen, braunen Teddybären herausstellt. Dem Teddybären geht es nicht gut. An den Pfoten ist er gefesselt, über die Knopfaugen (vermutlich sind es Knopfaugen!) hat man ihm eine schwarze Binde gezogen. Aus dem Off hält ihm jemand eine Pistole an die Teddybärenschläfe. Hallo, hallo, denke ich, wer macht denn sowas? Ich drehe das Foto um. Ich lese:

„Zwickel! Schreib endlich wieder was am Blog, oder der Bär stirbt!!“

Na bumm, du bist ja ein ganz harter Hund, sage ich zum Stein. Sonst ist ja niemand da.

Ich habe diese Begebenheit niedergeschrieben und werde sie am Blog veröffentlichen, um für den Teddybären etwas Zeit herauszuschinden. Falls der Entführer das liest: mein Freund, es ist nicht immer alles so einfach, wie viele glauben. Nicht, dass es nicht genug zu erzählen gäbe. Das harte Leben in der Redaktion des Hernalser Morgenpostillons seit der fette Reimann mein Chef ist. Der Sparvereinkassenskandal in der Alsbachprinzessin, wegen dem Lieblingskellner Frantisek zwei Monate lang in Bolivien untergetaucht ist. Oder der Grund, warum der Pfarrer von der Kalvarienbergkirche nach dem Osterhochamt einen schweinischen Witz erzählen musste. Ja, das sind schon Geschichten, die man aufschreiben kann. Kann, nicht muss! Aber ich arbeite daran – versprochen.

Bis dahin bitte: lieb zum Teddybären sein. Er kann ja nix dafür.

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