Zehn Ausreden, die was nützen

Es geht wieder los: Die Weihnachtsmärkte haben ihre grässlichen Pforten geöffnet, das kollektiv verordnete Massenbesäufnis hat uns fest im Griff. Dieses alljährliche Drama für die Volkswirtschaft äußert sich beim „Hernalser Morgenpostillon“  in zeitweise nur spärlich besetzten Redaktionsräumen.

An einem typischen Vormittag zu dieser Jahreszeit umgibt mich nichts als ein Lercherlschas. Als Chef vom Dienst versuche ich meine Schäfchen zusammenzutrommeln. Dass ich dabei auf verlorenem Posten sitze beweisen folgende, mir unter die Nase geriebenen Ausreden:

  1. 09:30, Harald Weber, Chronik: Via Firmenhandy. Überrascht mich mit der gelallten Mitteilung, dass er eben dieses nach einer durchzechten Nacht im Taxi verloren habe, weshalb er für mindestens eine Woche nicht erreichbar sei. Jedenfalls nicht für mich. Außerdem müsse er jetzt den Taxifahrer bezahlen. Schon kurz nach meinem darauffolgenden cholerischen Anfall ist unter dieser Nummer kein Teilnehmer mehr zu erreichen.
  2. 09:34, Marcus Lechner, Billardsport & Kreuzworträtsel: Mäht auf Anraten seiner Friseuse den Rasen. „Die Sterne stehen gut. Kann ich unmöglich verschieben“, teilt er mir lapidar mit.
  3. 09:37, Adelheid van Paard, Adel & Lifestyle: Entbindet überraschend Zwillinge im Wilhelminenspital. Dass das mit ihren 56 Jahren noch einmal geklappt hat, freut mich. Im Hintergrund Babyschreie, die wie Katzen klingen.
  4. 09:40, Günther Haberbusch, Gesundheit: Zaungast bei der Entbindung. Schlägt einen Kaiserschnitt vor. Nach eingehender Abwägung aller Für und Wider halte ich das auch für das Beste und genehmige die Aktion.
  5. 09:45, Natalie Pribil, Redakteurin für eh alles: Auslandseinsatz in Floridsdorf. Angeblich von Terroristen entführt. „Zwickel, sie wollen 1 Million Euro, aber fix!“. Ich stelle schnell einen Scheck aus.
  6. 09:51, Sinisa Müller, Praktikant: Thermenwartung. Die fünfte in diesem Monat. Altes Klumpert!
  7. 09:59, Thomas Reimann, Sport: Repariert gerade Sinisa Müllers Therme. Zum fünften Mal in diesem Monat. Gute Freunde braucht der Mensch.
  8. 10:04, Klaus Weiss, Auto & Mobilität: Liegt mit einer Eierstockentzündung im Bett. Beulenpest am Abklingen.
  9. 10:09, Claudia Reber, Sudokus: In der Geblergasse von einem Fiaker überrollt und auf der Intensivstation im AKH.
  10. 10:12, Hannes Paradeiser, Wetter: Kreist seit zwei Stunden in seinem Observations-Heißluftballon über dem Redaktionsgebäude und findet keinen Parkplatz.

So weit, so plausibel. Richtig ausgezuckt bin ich dann aber bei der letzten Wuchtel:

10:19, Chefredakteur: „Ich steh auf der Tangente im Stau“.

Tausendmal gehört! Tolldreister geht’s nicht. Für blöd brauchen mich die nicht verkaufen. Besoffenes Pack!

 

 

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