Viel Spaß!

Der nächste Zeitgenosse, der mich mit einem „Viel Spaß!“ terrorisiert, darf anschließend damit rechnen, nicht mehr besonders viel Spaß im Leben zu haben. Diese „Viel Spaß-eritis“ ist eine raumgreifende Konversationstragödie. Einige Beispiele meiner Leser:

  1. Ilona P. in der Apotheke am Elterleinplatz: „Ich brauch was gegen Fußpilz. Gibt’s da was von Ratiopharm?“. Apothekerin: „Fungizid. Bitte schön“ – „Danke“ – „Viel Spaß damit! Wiederschaun!“.  (Ich weiß ja nicht, wie die Apothekerin ihre Freizeit verbringt, aber der Spaßfaktor an Fußpilzcreme scheint enden wollend.)
  2. Markus F. am Postamt – tauscht, wie sich das über die Jahrzehnte etabliert hat, gelben Zettel gegen Paket. Transaktion abgeschlossen. Der joviale Postfuchs hinterm Schalter: „Viel Spaß!“ (zwinkert). Markus F. überlegt den ganzen Heimweg fieberhaft, welche Freuden er einem 1“-Ersatzflansch für Druckkessel im Laufe des Nachmittags wohl noch abtrotzen könnte.
  3. Hubert R., Straßenbahnlinie 71. Wird als Schwarzfahrer enttarnt. Zu den 100 Euro Bußgeld gibt’s zum Abschied noch ein freundliches „Viel Spaß noch, gell?“ vom Freundlichen der Wiener Linien. (Hatte Hubsi dann am Papierflieger, den er während seiner erzwungenen Zwischenlandung am Schwarzenbergplatz aus der Strafverfügung gefaltet hat).
  4. Medizinstudentin Sylvia B., Facultas Universitätsbuchhandlung in der Berggasse: „Viel Spaß damit“ sagt mit starrer Miene jener Troll hinter der Kassa, der ihr gerade „Checkliste Haut- und Geschlechtskrankheiten“ verkauft hat. (Vielleicht wird’s ja heute doch noch ein romantischer Abend zuhause, jetzt wo die richtige Lektüre im Einkaufstascherl ist).

Aber natürlich sollten wir alle viel mehr Spaß miteinander haben. Ich bin für das große Spaßprogramm, ich plädiere hier und jetzt für den Spaßoverkill an jeder lauschigen Ecke unserer schönen Welt, z.B. Eisverkäufer und Clowns in Schützengräben, abgerichtete Zirkusaffen zur Belustigung des mittleren und höheren Managements in Konzernen (War da nicht eh schon was?), Kabarettisten in Parlamenten (Ach so. Halt. Da war schon wieder was.), fix installierte Nintendo Wiis auf Intensivstationen,  Tortenschlachten am Finanzamt, Polonaisen am Arbeitsamt, ausgelassene Partys im Bestattungsinstitut und Geisterbahnen in Seniorenheimen. Schöner Nebeneffekt: Durch die um sich greifende Lachlustigkeit und dem hohen Spaßlevel kurbelten wir gleichzeitig das Geschäft der langsam verarmenden Zahnärzte und Dentisten an, denn wer will sich schon mit einer gelben Pferdepappn in der Öffentlichkeit durch den Tag lachen? Wer meinen Vorschlag unterstützt, möge mir ein kurzes Mail schicken. Ich übersende dann die 600-seitige, von mir ausgearbeitete Petition mit 1000 und einer Forderung für mehr Spaß im Alltag. Und wünsche jetzt schon viel Spaß bei der Lektüre.

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1 Antwort

  1. 26. November 2013

    […] Viel Spaß beim Nachkochen! Tipp: bevor man die Weihnachtsmannmasse unter den Teig zieht, diesen etwa 20 Minuten rasten lassen (notfalls in der Zwischenzeit noch einen Vodka trinken). […]

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