Schach Max

Das Café Max. Ein eigenes kleines Universum, soviel darf hier gesagt werden. Das Publikum: Billardspieler, das sind die Anständigen, und Schachspieler, das sind – nun ja – Schachspieler eben. Ich selbst verstehe ja nicht allzu viel vom Schach, aber soviel weiß ich: Schach ist ein billiger Sport. Stundenlang kann sich der routinierte Schächerer hinter a) dem Schachbrett und b) einem Achtel Rot verschanzen, an dem er mit enervierender Geduld zu zuzeln vermag, bis er seinen Gegner dann endlich im hundertundvierten Zug nach aufreibendem Doppelturmendspiel niedergerungen hat. Gut fünfzig Züge davon passieren bloß, um zu verhindern, sich ein weiteres Achtel anschaffen zu müssen. Solange die Partie im Gange ist, so will es im Max ein ungeschriebenes Gesetz, darf die Kellnerin, die verzweifelt und mit blauädriger Dekolletiertheit versucht, Geschäfte zu machen, unwillig hinweggewachelt werden: Schleich di, Susi, es is grad spannend!

Dass ich selbst dem Schach nichts abgewinne ist eher erstaunlich, bin ich doch erblich vorbelastet. Und das wegen meinem Onkel Poldi – Gott hab ihn selig. Der Onkel Poldi war ja angeblich ein begnadeter Schachspieler, der sogar einmal dem Weltmeister die Hand schütteln durfte. Ein legendärer Augenblick, wie mir als Bub vom Poldi immer wieder versichert wurde, und dann erzählte er mir stets, dass er in diesem Augenblick eine Art schachliche Grenzerfahrung gemacht hätte – quasi ein göttliches Licht, das ihn in einen Zustand schachtechnischer Unsterblichkeit versetzt hätte. Er wäre danach, so fuhr er dann immer fort, sofort in sein Stammcafé geflitzt um dort eine Simultanpartie ins Leben zu rufen. Er gegen zehn andere an zehn Brettern, erzählte er, und seine Augen begannen an dieser Stelle immer verdächtig feucht zu glänzen.

Immerhin war der Onkel Poldi Manns genug, um einzugestehen, dass er – Weltmeisterhandschlag hin oder her – beim Simultan dann 10:0 abgebissen hat. “War vielleicht doch nicht so g’scheit”, räsonierte er immer, “dass ich mir an jedes Brett ein Krügerl Schwechater hab servieren lassen.”

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